Deutscher Buchpreis 2017: Sven Regener, Franzobel und Feridun Zaimoglu auf der Longlist

Deutscher Buchpreis 2017
Ab sofort ist in vielen Buchhandlungen ein kostenloser Leseband mit Leseproben der Noiminierten erhältlich. Welche Buchhandlung den Band abgibt, steht auf www.jetzteinbuch.de. Foto: Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Der Deutsche Buchpreis 2017 liest sich nicht nur wegen Sven Regener, Feridun Zaimoglu und Franzobel wie ein Who is Who der deutschen Top-Autoren. Mit guten Chancen treten auch Thomas Lehr, Robert Menasse und Julia Wolf an.

Die Spannung steigt beim Deutschen Buchpreis 2017: Bereits die Longlist des Jury-Preises zeigt höchste literarische Qualität, die aber erfreulicherweise auch bei den Lesern gut ankommt.

Mit dabei ist zum Beispiel „Das Floß der Medusa“ des Österreichers Franzobel. Der Historienroman spielt im Jahr 1816, als der Kapitän des Seglers Argus vor der Westküste Afrikas ein Floß mit 15 Schiffbrüchigen entdeckt. Die ausgezehrten Gestalten sind Überlebende der gesunkenen Fregatte Medusa. Da die Rettungsboote voll waren, wurden sie einfach ausgesetzt.

Beim Buchpreis darf auch gelacht werden

Sven Regener, Erfinder des Herrn Lehmann, entführt die Leser in „Wiener Straße“ erneut auf den Berliner Kiez. Die Story beginnt im November 1980 an dem Tag, an dem Frank Lehmann mit der rebellischen Berufsnichte Chrissie sowie den beiden Extremkünstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in eine Wohnung über dem Café Einfall verpflanzt wird. Wie gewohnt, hat Sven Regener ein Gefühl für skurrile Charaktere und Situationen, die im Zusammenspiel eine fatale Kettenreaktion auslösen. So drohen österreichische Aktionskünstler, ein Fernsehteam, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, eine Kreuzberger Kunstaustellung, der Kampf um die Einkommensoptionen Putzjob und Kuchenverkauf, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator alle ins Verderben zu reißen.

Leckerbissen für Sprachfans

Der Luther-Roman „Evangelio“ von Feridun Zaimoglu wurde im Feuilleton bereits ausgelassen bejubelt. Zaimoglu erzählt im Buch die Geschichte von Martin Luther, als er auf der Wartburg in nur zehn Wochen das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. Den Stil muss man mögen: Text und Dialog muten wie Frühneuhochdeutsch an, doch genau dies macht den Roman anstrengend. Bei den Amazon-Kunden kommt der Titel aktuell mit nur 3,2 Sternen nur verhalten an.

„Eine der wichtigsten Fähigkeiten von Literatur ist das Weiten unserer Welt“, sagt Jurysprecherin Katja Grasser vom Österreichischen Rundfunk. „Das ist in Zeiten, in denen sich die Blickwinkel mehr und mehr zu verengen scheinen, besonders wichtig. Die Longlist 2017 ist Ausdruck des Versuchs, die Vielfalt der aktuellen deutschsprachigen Literaturlandschaft zu spiegeln. Auf ihr finden sich mit den Büchern unterschiedliche literarische Antworten auf das Leben, den Zustand der Welt, der Menschen: Politisches wie explizit Unpolitisches, traditionell Erzähltes wie Sprachzentriertes und Risikofreudiges, lyrisch Gewobenes wie realistisch Gestricktes.“

Am 12. September werden die sechs Autoren benannt, die es in die engere Auswahl (neudeutsch: Shortlist) geschafft haben. Die Preisverleihung selbst findet am 9. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt. Der Gewinner erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten je 2.500 Euro.

Deutscher Buchpreis 2017: Die nominierten Romane

• Mirko Bonné: Lichter als der Tag (Schöffling & Co, Juli 2017)
• Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag, September 2017)
• Franzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay, Januar 2017)
• Monika Helfer: Schau mich an, wenn ich mit dir rede! (Jung und Jung, März 2017)
• Christoph Höhtker: Das Jahr der Frauen (Weissbooks, August 2017)
• Thomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser, August 2017)
• Jonas Lüscher: Kraft (C.H. Beck, März 2017)
• Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp, September 2017)
• Birgit Müller-Wieland: Flugschnee (Otto Müller, Februar 2017)
• Jakob Nolte: Schreckliche Gewalten (Matthes & Seitz Berlin, März 2017)
• Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp, September 2017)
• Kerstin Preiwuß: Nach Onkalo (Berlin Verlag, März 2017)
• Robert Prosser: Phantome (Ullstein fünf, September 2017)
• Sven Regener: Wiener Straße (Galiani Berlin, September 2017)
• Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp, September 2017)
• Ingo Schulze: Peter Holtz (S. Fischer, September 2017)
• Michael Wildenhain: Das Singen der Sirenen (Klett-Cotta, September 2017)
• Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen (Frankfurter Verlagsanstalt, März 2017)
• Christine Wunnicke: Katie (Berenberg, März 2017)
• Feridun Zaimoglu: Evangelio (Kiepenheuer & Witsch, März 2017)

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