Das Literarische Quartett: Das sind die Streit-Bücher im August

Das Literarische Quartett, August
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Das Literarische Quartett im August: Volker Weidermann, Christine Westermann, Thea Dorn und der Literaturkritiker Ijoma Mangold als Gast diskutieren über Bücher von Virginie Despentes, Richard Ford, Franzobel und Paulus Hochgatterer.

Am 11. August geht der Bücherstreit in die nächste Runde: Diesmal ist der Literaturkritiker Ijoma Mangold zu Gast im Literarischen Quartett, um über vier neue Bücher zu streiten.

Da wäre einerseits die Erzählung „Der Tag, an dem Großvater ein Held war“, in der Paulus Hochgatterer auf 112 Seiten eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Mehr Qualität als Quantität soll mit 140 Seiten auch „Zwischen ihnen“ von Richard Ford bieten. Die Erzählung ist Fords persönlichstes Buch und ein literarisches Memoir über seine Eltern.

Rettet Franzobel die Sendung?

Konsensfähiger dürfte „Das Floß der Medusa“ von Franzobel sein: Der Historienroman, in dem ein Schiffskapitän vor der Westküste Afrikas Überlebende eines Schiffsunglücks rettet, wird von den Amazon-Kunden mit hervorragenden 4,5 von 5 Sternen bewertet.

Der neue Roman von Virginie Despentes heißt dagegen „Das Leben des Vernon Subutex“ und dürfte wieder einmal auf geteiltes Echo treffen. Bereits das Roman-Debüt von Despentes war umstritten: Unter dem bezeichnenden Titel „baise–moi-Fick mich“ hatte die Französin eine Art „Natural Born Killers“ mit literarischem Anspruch veröffentlicht. Die deutschen Amazon-Kunden lieben oder hassen das Buch: Die im Schnitt nur 3,5 Sterne in den Leser-Rezensionen stammen meist aus Höchst- oder Niedrigstbewertungen.

Das Literarische Quartett: Darüber wird im August gestritten

1. Virginie Despentes: „Das Leben des Vernon Subutex“

Klappentext: Die literarische Sensation aus Frankreich: ein grandioses Sittengemälde unserer Zeit.

Wer ist Vernon Subutex? Eine urbane Legende, der letzte Zeuge einer Welt von Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll. Einer, mit dem unsere Zeit es nicht gut meint und der trotzdem für eine ganze Generation steht – und für das glanzvolle, furiose Comeback seiner Erfinderin Virginie Despentes.Als der Roman 2015 in Frankreich erschien, erregte er unmittelbar großes Aufsehen. Wochenlang führte er die Bestsellerlisten an, war für zahlreiche Preise nominiert, die Kritik überschlug sich. Erzählt wird die Geschichte von Vernon Subutex und seinem rasanten sozialen Abstieg. Mit seinem Plattenladen hat er Pleite gemacht und steht nun auf der Straße. Weil er sich und der Welt sein Scheitern nicht eingestehen will, nimmt er Zuflucht zu einer Notlüge, die es ihm ermöglicht, sich übergangsweise reihum bei seinen alten Freunden einzuquartieren, die er zum Teil seit Jahren nicht gesehen hat. So entsteht ein vielstimmiges Panorama einer Gesellschaft am Abgrund. Man begegnet den ganz normal Gescheiterten, den scheinbar Erfolgreichen, den Schrillen und den Durchgeknallten. Despentes erspart ihren Figuren nichts, lässt kein gesellschaftliches Thema unberührt, die Islamismusdebatte ebensowenig wie den Aufstieg der Rechten. So gelingt ihr ein beeindruckender literarischer Rundumschlag, ungestüm und trotzdem humorvoll, in dem jedes Wort sitzt, jeder Satz nachhallt. Ein großer Wurf, in Frankreich nicht umsonst mit Balzacs „Die menschliche Komödie“ verglichen.

„Das Leben des Vernon Subutex“ ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen (400 Seiten, 22 € gebunden / 18,99 € E-Book).

2. Richard Ford: „Zwischen ihnen“

Klappentext: Mit siebzehn verliebt sich Edna Akin aus Arkansas in Parker Ford, einen Jungen vom Land mit den durchscheinend hellblauen Ford-Augen. Sie heiraten und beginnen ein Nomadenleben in den Südstaaten der USA – Parker arbeitet als Handlungsreisender. Die 30er Jahre ziehen vorbei wie ein langes Wochenende, ungezählte Meilen, Cocktails, Hotelzimmer: New Orleans, Texarcana, Memphis. Die Geborgenheit, die es in ihrer Welt, dem Amerika der frühen Ford-Romane, nicht gibt, finden sie beieinander. Dann kommt ein einziges spätes Kind zur Welt – und alles ändert sich. „Zwischen ihnen“ ist Richard Fords intimstes Buch: ein literarisches Memoir über seine Eltern und ein atmosphärisches Porträt des Lebens in den USA Mitte des 20. Jahrhunderts.

„Zwischen ihnen“ ist bei Hanser Berlin erschienen (144 Seiten, 18 € gebunden/13,9 € E-Book).

3. Franzobel: „Das Floß der Medusa“

Klappentext: 18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?

„Das Floß der Medusa“ ist bei Paul Zsolnay Verlag erschienen (592 Seiten, 26 € gebunden, 19,99 € E-Book).

4. Paulus Hochgatterer: „Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“

Klappentext: Im Oktober 1944 taucht auf einem Bauernhof in Niederösterreich ein ungefähr dreizehnjähriges Mädchen auf, verstört und offenbar ohne Erinnerung. Nelli wird aufgenommen und wächst in die Familie hinein. Einige Monate später kommt eines Nachts ein junger Russe auf den Hof. Er hat nichts bei sich außer einer Leinwandrolle, die er hütet wie seinen Augapfel. Zwischen ihm und dem Mädchen entspinnt sich eine zarte Beziehung, die durch das Eintreffen einer Gruppe von Wehrmachtssoldaten jäh unterbrochen wird. Glanzvoll und fulminant erzählt Paulus Hochgatterer die Geschichte eines verschollenen Gemäldes – und von einem einfachen Mann, der zum Helden wird.

„Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“ ist bei Deuticke erschienen (112 Seiten, 18 € gebunden/13,99 € E-Book).

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