Wälzer der Woche: „Bullenbrüder“ von Hans Rath & Edgar Rai

Bullenbrüder, Hans Rath, Edgar Rai
Foto: BBO/C. Holowaty

Hans Rath & Edgar Rai werden den hohen Erwartungen gerecht: Mit „Bullenbrüder“ liefert das Duo einen der coolsten deutschen Kriminalromane seit langem.

Es war immer nur eine Frage der Zeit, wann sich Typen wie Hans Rath und Edgar Rai über den Weg laufen. Beide sind Berliner, schreiben Drehbücher und haben einen ausgewachsenen Sinn für schrägen Humor. Rath hat sich längst mit seiner Buchserie „Und Gott sprach“ einen Namen gemacht, während sich Rai mit Romanen wie „Etwas bleibt immer“ oder „Wenn nicht, dann jetzt“ in die Herzen einer treuen Fangemeinde geschrieben hat.

Hans Rath & Edgar Rai werden kriminell

Nach dem ersten gemeinsamen Buch „88 Dinge, die Sie mit Ihrem Kind gemacht haben sollten, bevor es auszieht“ ist jetzt bei Rowohlt/Wunderlich mit „Bullenbrüder“ der erste Kriminalroman des humoristischen Duos erschienen.

Rath & Rais Ausflug in die Unterwelt hat es in sich. Holger Brinks ist Kriminalkommissar und kämpft mit allerlei Problemen. Vor allem nervt sein missratener Bruder Charlie, der mit an naturgesetzlicher Wahrscheinlichkeit regelmäßig genau dann bei Holger aufschlägt, wenn er völlig mittellos oder aber wieder bei einer seiner Freundinnen rausgeflogen ist. Oder beides.

Genau das kann Holger gar nicht brauchen, denn im Milieu riecht es nach Ärger. In einem Club wurde nämlich ein Drogenkurier fachmännisch mit einer 45er perforiert. Cedric van de Vedel ist aber weit mehr als ein Laufbursche, sondern die rechte Hand der greisen Berliner Unterweltgröße Jimmy Schütz. Brinks´ Probleme werden nicht gerade kleiner, als klar wird, dass Charlie ebenfalls Verbindungen zu Jimmy Schütz hat. Zwar schlägt sich Charlie als Privatschnüffler durch, nimmt es aber selbst mit dem Gesetz nicht so genau. Ärgerlich, dass er sich gern mal in der Asservatenkammer am sichergestellten Kokain bedient, dem Glücksspiel verfallen ist und finanzielle Engpässe beim Kredithai überbrückt. Und letzterer ist niemand anderes als der Sohn von Jimmy Schütz.

Verliebt in die Verdächtige

Nachdem ihn Holger widerwillig im Gartenhäuschen übernachten lässt, revanchiert sich Charlie mit Recherchen, allerdings nur zum Schein. Als klassischer Doppelagent steckt er nämlich seinem Gläubiger, wie weit die Kripo bei ihren Ermittlungen ist. Dass sich Charlie dann Hals über Kopf in eine der Hauptverdächtigen verliebt, macht die Sache nicht gerade einfacher. Auch Holgers Frau Sandra sorgt für reichlich Wirrwarr: Als Redakteurin des Tagesspiegel neigt sie dazu, zum unpassendsten Zeitpunkt gegen die Berliner Polizei zu sticheln und Ermittlungsergebnisse in Frage zu stellen.

Bald stellt sich heraus, dass hinter der Fassade des an den Rollstuhl gefesselten Jimmy Schütz nach wie vor ein hellwacher Geist steckt, der immer noch über ein gerütteltes Maß an krimineller Energie verfügt…

Cool, cooler, „Bullenbrüder“

Fazit: Hans Rath und Edgar Rai in Höchstform! Die „Bullenbrüder“ schließt man schon auf den ersten Seiten mit reichlich Schnodderigkeit, Situationskomik und schlagfertigen Dialogen einfach ins Herz. Das Autorenduo legt einen Krimi hin, den man in ein, zwei Sitzungen geradezu verschlingt, und das, obwohl der eigentliche Fall recht simpel gestrickt ist. Der Leser rätselt weniger darüber, wer wohl der Täter ist, sondern vielmehr, wie viele Fettnäpfchen die ungleichen Brüder bis zur Auflösung wohl noch so mitnehmen. Wer perfide konstruierte Verbrechen mit reichlich Geschnetzeltem liebt, greift zu Arne Dahl, Jussi Adler-Olsen oder Harlan Coben. Wer den coolsten deutschen Kriminalroman der Saison erleben will, kommt an „Bullenbrüder“ nicht vorbei.

„Bullenbrüder“ ist bei Rowohlt/Wunderlich erschienen (320 Seiten, 19,95 € gebunden/16,99 € E-Book).

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