„American Gods“ von Neil Gaiman: Wie gut ist das Buch zur Amazon-TV-Serie?

Bastei Lübbe hat „American Gods“ von Neil Gaiman in einer neu übersetzten, ungekürzten Fassung auf den Markt gebracht. BBO zeigt, für wen sich der Fantasy-Klassiker lohnt.

Fans von Neil Gaiman dürfen jubeln: Mit der Umsetzung des Klassikers „American Gods“ hat Amazon eine bildgewaltige Version des legendären Roadtrips durch die USA geschaffen. Doch sowohl die Serie als auch das Buch gefällt nicht jedem. Die seit Mai laufende erste Staffel hat „nur“ 3,8 von 5 Sternen erhalten; der Roman liegt bei 3,7 Sternen. Das deutet bereits an, dass die Meinungen klar auseinander gehen.

American Gods in Not

Dabei fängt die Story durchaus mitreißend an. Sträfling Shadow wird nach drei Jahren Haft begnadigt, da seine Frau verstorben ist. Völlig abgebrannt lässt er sich vom geheimnisvollen Mr. Wednesday anheuern. Der Job als Handlanger und Laufbursche erweist sich allerdings schnell als eine Position als Bodyguard für Wednesday. Shadow reist mit seinem Auftraggeber quer durch die USA und trifft in allerlei grotesken und mystischen Orten auf nicht weniger skurrile Gestalten. Nach und nach wird Shadow klar, auf was er sich da eingelassen hat. Mr. Wednesday ist kein geringerer als Allvater Odin, der auf der Suche nach anderen Göttern des alten Kontinents ist. Die verstecken sich nämlich als ganz normale Menschen in den USA und drohen in Vergessenheit zu geraten.

Genau wie Odin – oder eben Mr. Wednesday – existieren die Götter nur dann, wenn die Menschen an sie glauben. Genau das ist das Problem: In den USA regiert Kapitalismus und purer Mammon und die Götter verblassen.

Wednesday sucht nun zusammen mit Shadow Verbündete unter den alten Göttern, um eine letzte großer Schlacht zu schlagen, bei der es um nichts weniger geht als um das Überleben der Gottheiten.

Neil Gaiman geht in die Verlängerung

Fazit: „Kult-Bücher“ sind immer so eine Sache. Man liebt sie oder man hasst sie. Neil Gaimans „American Gods“ ist ein phantastischer Roadtrip durch die USA, auf dem sich die Helden Wednesday und Shadow von einem skurrilen Ort zum nächsten reisen. Gaiman bleibt seinem Motiv der mystischen Parallelwelten hinter dem sichtbaren Alltag treu. Das Duo trifft auf zahlreiche vergessene Götter, die kaleidoskopartig vorgeführt werden. In Zwischensequenzen erfährt der Leser, wie die alten Götter nach Amerika gekommen sind. Dabei glänzt Neil Gaiman einmal mehr mit seiner überbordenden Fantasie und Erzählkunst. Der von Bastei Lübbe neu aufgelegte „Director´s Cut“ ist etwa 70 Seiten länger und stellt die Ur-Version des Romans dar. Das zieht den Roman, der ohnehin nicht der Spannungsliteratur zuzurechnen ist, merklich in die Länge. Und doch fasziniert, wie Neil Gaiman mit Hilfe der alten Götter den durch Einwanderung entstandenen kulturellen Schmelztiegel USA mit all seinen Widersprüchen und Differenzen treffend illustriert.

Hintergründige Urban Fantasy

Andere Werke wie „Niemalsland“ oder auch der zusammen mit Terry Pratchett verfasste Ulk-Fantasy-Roman „Ein gutes Omen“ sind aber wesentlich spannender und lustiger als „American Gods“. Wer sich jedoch analog eines Roadtrips einfach gerne durch eine phantastische Welt treiben lassen möchte, liegt hier richtig. Auf jeden Fall ist „American Gods – Director´s Cut“ ein hervorragender Tipp für Fans der Amazon-TV-Serie. Das Buch kann mit der Bildgewalt und der Erzählgeschwindigkeit der Serie nicht mithalten, vermittelt aber weitaus mehr Hintergrundstories als sie in kurzen Episoden darstellbar sind. Stil und Tonalität ähneln am ehesten „Der Ozean am Ende der Straße“ : Hintergründig, streckenweise melancholisch, und doch mit anderen Büchern kaum vergleichbar. Urban Fantasy mit überraschendem Tiefgang.

„American Gods – Director´s Cut“ ist bei Bastei Lübbe / Eichborn erschienen (672 Seitzen, 14 € broschiert/10,99 € E-Book).

 

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