Das Literarische Quartett im Juni: Über diese Bücher wird gestritten

Das Literarische Quartett
Foto: ZDF

Das Literarische Quartett wieder auf Konfrontationskurs: Mit dabei ist „Walter Novak bleibt liegen“ von Julia Wolf und „Denen man vergibt“ von Lawrence Osborne.

Heute Abend um 22:55 Uhr wird die Juni-Sendung des Literarischen Quartetts aus dem Berliner Ensemble gesendet.

Volker Weidermann hat mit Christine Westermann und Thea Dorn den Schauspieler Ulrich Matthes eingeladen. Diesmal geht es allerdings nicht nur um neue Bücher von Lawrence Osborne und Julia Wolf, sondern auch um Klassiker von Mave Brennan und Oskar Maria Graf.

Julia Wolf: „Walter Novak bleibt liegen“

Julia Wolf konnte mit „Walter Novak bleibt liegen“ bei der Dichterlesung in Klagenfurt den Publikumspreis gewinnen. Das lässt auf Konsensfähiges hoffen. Die Story: Walter Nowak, der im Alter jenseits der 70 Jahre täglich im Freibad seine Runden schwimmt, hat dort eine traumatische Begegnung mit einer jungen Frau, die ihn an seine große Liebe erinnert. Später findet er sich auf dem Boden seines Badezimmers wieder – vollständig gelähmt und entsprechend entsetzt. Novaks leben zieht in einem Kaleidoskop von Eindrücken und Gedankenfetzen an ihm vorbei: das Weihnachtsfest mit seiner ersten Frau Gisela, ihr Schweinebraten, ihre Tränen und der Blick seines Sohnes Felix, als er von der Trennung erfährt; Erinnerungen an seine eigene Kindheit als unehelicher Sohn eines GIs; und die Diagnose seiner Ärztin. Das Männerporträt verspricht eine faszinierende Reise in die menschliche Psyche.

„Walter Novak bleibt liegen“ ist bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen (200 Seiten, 21 € gebunden/14,99 € E-Book).

Lawrence Osborne: „Denen man vergibt“

Lawrence Osborne wird bei den Briten bereits als heißer Geheimtipp gehandelt. The Guardian bezeichnet Osborne als „den besten Autor, von dem Sie noch nichts gehört haben“.

Die Story von „Denen man vergibt“: In einer träumerischen Landschaft inmitten der Wüste Marokkos veranstalten Richard und Dally für ihre Freunde eine dreitägige extravagante Party im Gatsby-Stil, Kokain, Champagner, Pool und Feuerwerk inklusive. Doch die Anreise verläuft nicht für alle geladenen Gäste wie erwartet. Das britische Paar David und Jo, angetrunken und heillos zerstritten, überfährt einen Fossilienverkäufer am Straßenrand. Das Duo will die Leiche am liebsten verschwinden lassen. Doch die Familie des Opfers taucht auf und zwingt David dazu, an der Beerdigung teilzunehmen, während sich Jo auf der Party vergnügt. Während die Festivität langsam, aber sicher zur Orgie wird, seziert Autor Osborne seine Figuren.

„Denen man vergibt“ ist bei Wagenbach erschienen (272 Seiten, 22 Euro gebunden/19,99 € E-Book).

Oskar Maria Graf: „Minutengeschichten“

Anlässlich des 50. Todestages von Oskar Maria Graf hat Ullstein eine Sammlung kurzer Texte wiederveröffentlicht. Graf zeichnet sich durch seinen beißenden Humor, seine Zuneigung zu Sonderlingen und seine politischen Satiren aus. Das blieb den Nazis nicht verborgen und so wanderte Oskar Maria Graf im Jahr 1933 aus. Allerdings blieb Graf seiner bayrischen Heimat stets verbunden und trug in New York stets Lederhosen, um sein Heimweh zu lindern.

„Minutengeschichten“ ist bei Ullstein erschienen (336 Seiten, 20 € gebunden/16,99 € E-Book).

Maeve Brennan: „Sämtliche Erzählungen“

Die irisch-amerikanische Schriftstellerin Maeve Brennan soll Truman Capote zu seiner Protagonistin in „Frühstück bei Tiffany“ inspiriert haben. Brennan liefert in ihren Geschichten Alltagsbeobachtungen, Kurzgeschichten, Essays und Erinnerungen. Nachdem sie durch ihre Kolumnen im New Yorker und den Roman „Zunge, die eine Hecke schneiden konnte“ in den 50er und 60er Jahren berühmt-berüchtigt wurde, litt sie zunehmend unter schizophrenen Schüben und starb 1993 verarmt in New York. „Sämtlichen Erzählungen“ wird von Steidl in der bekannt hohen Buchkunstqualität in zwei Bänden veröffentlicht.

„Sämtliche Erzählungen“ von Maeve Brennan ist bei Steidl erschienen (1168 Seiten, 48 € gebunden).

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