Christiane Paul über „Ostfriesenkiller“: „Ich musste warme Wollsachen tragen – bei 35 Grad“

Klaus-Peter Wolf, Christiane Paul, Ostfriesenkiller
Mord ist ihr Geschäft: Christiane Paul und Klaus-Peter Wolf am Set von "Ostfriesenkiller". Foto: obs/ZDF/Christine Schröder.

Christiane Paul spielt in „Ostfriesenkiller“ von Klaus-Peter Wolf Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen. Doch der Dreh war nicht nur wegen der warmen Witterung eine Herausforderung.

Klaus-Peter Wolf hatte eigentlich mit seiner Ostfriesland-Serie nie im Sinn, nur einen einfachen Kriminalroman zu schreiben, wie er im Interview zur Verfilmung von „Ostfriesenkiller“ bekennt. Es sollte ein Gesellschaftsroman werden, der die menschlichen Abgründe auslotet.

Doch das Universum im norddeutschen Urlaubsort Norden ist nach Einschätzung von Christiane Paul nicht in der Gesamtheit verfilmbar.

„Ich habe die Romanvorlage auch gelesen, das mache ich immer, damit ich mehr Details mitbekomme“, erklärt Christiane Paul. „Deswegen haben wir auch die Geschichte von Ann Kathrins Vater mit aufgenommen. Allerdings ist das Universum der Geschichte in den Büchern riesig. Sie sind hochkomplex, und es kann leider nicht alles im Film in Bilder umgesetzt werden.“

„Ostfriesenkiller“: Acht Fragen an Christiane Paul

Was war Ihr erster Gedanke, als Ihnen die Rolle der Ann Kathrin Klaasen angetragen wurde?
Mein erster Gedanke war, dass ich mir das unbedingt ansehen muss. Ich habe zunächst ja „nur“ ein Treatment von der Produktionsfirma erhalten, ein gutes, spannendes Konzept. Es hat mich sofort interessiert. Wir haben uns dann getroffen und gemeinsam das Drehbuch bearbeitet. Ich habe mich darauf gefreut, eine neue Figur zu kreieren.

Sie schlüpfen ja nicht zum ersten Mal in die Rolle der Ermittlerin? Was reizt Sie an dieser Figur?

Eigentlich habe ich bisher nur eine Ermittlerin gespielt, das war 2005 mit Matti Geschonneck in „Die Tote am Deich“ – das war in Husum und ist schon lange her.
Das Thema der Figur ist mir wichtig und dass sie horizontal erzählt wird. Ihre Entwicklung zu zeigen, auch ihre Schwächen, zum Beispiel mit der Familie, ihre guten Eigenschaften, aber auch ihre Eigenheiten. Das finde ich toll. Überhaupt hat mich die Form zu erzählen, interessiert: Das Fernsehen hat sich entwickelt, die Krimis haben sich entwickelt. Wir wollten schauen, was möglich ist, ob es gelingt, eine Figur zu erzählen, die wir so noch nicht kennengelernt haben.

Ann Kathrin hat ein immer noch intensives Verhältnis zu ihrem Vater, der zwar schon lange tot, aber für sie immer präsent ist. Kennen Sie solche „Seelenverwandtschaft“ auch? Und falls ja, wie äußert sich das?

Ich glaube, ich hatte so etwas Ähnliches mit meiner Großmutter väterlicherseits. Es ist mir zwei oder drei Mal passiert, dass ich von ihr geträumt habe und sie für mich im Traum die Situationen, die ich erlebt und die mich belastet haben, gelöst hat. Natürlich war das nur eine Imagination, es war nicht real.

„Ann Kathrin Klaasen ist nie über den Tod ihres Vaters hinweggekommen“

Ist es eine Projektion oder lässt es sich erklären?

Ja, es ist eine Projektion, ein Stilmittel, um eine für sie schwierige Situation überwinden zu können. Für meine Figur ist ihr Vater in diesen Momenten real für sie da. Außerdem ist Ann Kathrin nie über den plötzlichen Tod ihres Vaters hinweg gekommen. Sie hatte keine Gelegenheit, sich von ihm zu verabschieden. Mit ihm zu sprechen, ist ihre Art, damit fertig zu werden.

Welches war für Sie die größte Herausforderung während der Arbeit an dem Film?

Es war zu Beginn der Dreharbeiten sehr heiß, wir hatten zwischen 30 und 35°C, und ich trug warme Wollsachen – das war schon eine kleine Herausforderung. Darüber hinaus haben wir lange am Drehbuch gefeilt.

Ihre Figur gibt sich die Schuld am Scheitern ihrer Ehe beziehungsweise ihrer Familie, denn auch ihr Sohn verlässt sie. Ihre Arbeit steht immer im Vordergrund. Welche Facetten der Rolle waren für Sie besonders wichtig zu transportieren?

Gibt sie sich wirklich die Schuld? Ann Kathrin trägt Eigenschaften in sich, die ihr Handeln bestimmen. Mir war es wichtig zu zeigen, was sie antreibt, dass ihre Arbeit gleichzeitig ihre Leidenschaft ist. Sie liebt ihre Familie, sie will gerne alles gut machen, aber ich wollte auch ihr Scheitern zeigen, und wie sehr sie dieses Scheitern schmerzt. Es sind zwei Seelen in ihr: Sie liebt ihr Kind, ihren Mann und doch sieht sie, dass die Beziehung zerbricht. Wenn das passiert, erlebt man es als persönliches Scheitern. Man kann sehen, wie sehr es sie mitnimmt – und doch muss sie funktionieren. Sie macht weiter und versucht, irgendwie da durchzukommen. Das ist eben sie.

„Klaus-Peter Wolf ist eine sehr positive Persönlichkeit“

Sie haben Klaus-Peter Wolf, den Autor der Ostfriesenkrimis, getroffen. Wie war das, und was für ein Mensch ist er?

Ja, das war sehr gut und auch hilfreich. Durch die Gespräche mit ihm hatte man noch einen anderen Zugang, verstand das ganze Umfeld besser. Klaus-Peter Wolf ist eine sehr positive Persönlichkeit, er ist ein total offener, freundlicher und zugewandter Mensch. Ich habe die Romanvorlage auch gelesen, das mache ich immer, damit ich mehr Details mitbekomme. Deswegen haben wir auch die Geschichte von Ann Kathrins Vater mit aufgenommen. Allerdings ist das Universum der Geschichte in den Büchern riesig. Sie sind hochkomplex, und es kann leider nicht alles im Film in Bilder umgesetzt werden.

Während der Dreharbeiten haben Sie Ostfriesland, seine Menschen und seine Inseln kennengelernt. Wie ging es Ihnen damit?

Gut. Ich finde es dort echt schön. Lange vor den Dreharbeiten bin ich für zwei, drei Tage dort gewesen, um mir einen Eindruck zu verschaffen, wo ich da überhaupt bin. Am liebsten hätte ich mich bei einer Familie eingemietet. Es hat mir gut gefallen – Land und Leute. Die Menschen sind sehr gastfreundlich, hilfsbereit und liebevoll. Wir haben viel Unterstützung erfahren.

Das Interview führte Karin Jensen/ZDF.

„Ostfriesentod“ ist als Bild-am-Sonntag-Thriller bei Eder & Bach erschienen (320 Seiten, 6,66 € Taschenbuch/9,99 € Kindle).

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