Film-Tipp zum Wochenende: Katharina Wackernagel in “Für jede Lösung ein Problem”

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Gerri (Katharina Wackernagel) beim Schreiben ihrer Abschiedsbriefe. Foto: ZDF/Britta Krehl

Katharina Wackernagel ist am 19. 3. 2017 als lebensmüde Arztroman-Autorin Gerri im ZDF-Film zu “Für jede Lösung ein Problem” von Kerstin Gier zu sehen.

Die Schauspielerin, die gestern erstmals an der Seite von Matthias Schweighöfer in der gehypten Amazon-Prime-Serie “You are wanted” aufgetreten ist, übernimmt damit am Sonntag im FreeTV eine weitere Paraderolle, wenn auch diesmal im komödiantischen Fach. Als Gerri schreibt sie Arztromane, doch für eine Frau Mitte 30 sollte sie im Leben bereits weiter gekommen sein. Trotz aller Versuche selbst mit Hilfe einer Partnerschaftsberatung ist sie nach wie vor Single, und schließlich hat sie sogar so viel Stress mit ihrem neuen Chef Adrian (Janek Rieke), dass sie ihren Job als Groschenroman-Autorin verliert.

Das Rollenmodell der Frau ist für Katharina Wackernagel veraltet

Katharina Wackernagel sieht die Erwartungshaltung an eine moderne Frau, spätestens Mitte 30 eine Familie zu haben, als überholt an.

“Zum einen denkt Gerri, dass sie den Ansprüchen nicht genügt, dass sie nicht so ist, wie die anderen sie haben wollen”, erklärt Katharina Wackernagel das Dilemma von Gerri. “In ihrer Projektion stimmt das auch – natürlich ist ihre Mutter stolz auf ihre kleine Schwester und ist mit ihr öfter unzufrieden. Aber letztendlich muss man sagen: Sie nimmt es auch auf. Wie sehr man sich selbst in Frage stellt, hat auch ganz oft mit einem selbst zu tun, nicht nur mit den anderen.”

“Natürlich spürt man eine gewisse Erwartungshaltung, aber man kann sich dem auch widersetzen. Das hat natürlich viel mit dem Selbstbewusstsein zu tun. Bei Gerri kommt erschwerend hinzu, dass sie sich sowieso eben gerade in einer Krise mit sich selbst befindet. Die Tatsache, dass sie Mitte 30 ist und noch nicht den Mann kennen gelernt hat, mit dem sie zusammen sein will, wird ihr ja nicht vorgeworfen. Für sie ist das eine unerfüllte Sehnsucht. Das ist das eine.”

Auch im privaten Bereich hat Katharina Wackernagel ganz ähnliche Reaktionen erlebt.

“Das andere, wie eine Frau heute mit Mitte 30 sein muss, was die Gesellschaft erwartet, hat, denke ich, ganz, ganz viel mit dem eigenen Umfeld zu tun. Ich weiß gar nicht, ob es darauf eine generelle Antwort gibt. Das, was ich persönlich spüre, ist eben das, was ich auch sehr kritische betrachte: Diese ständige Frage nach dem Kinderkriegen bei einer Frau ab Mitte 30. Das ist so eine intime Frage und jeder meint, sich erlauben zu können, dass er einen danach fragt, weil er meint: “Naja, Mitte 30, das steht doch jetzt an. Was ist denn bei dir?” Egal, ob das jetzt ein Journalist in einem Interview ist oder jemand bei einer Grillparty.”

“Ich mach mir diesen Druck nicht, aber wenn ich mir vorstelle, ich würde mir diesen Druck machen, dann würde ich da sicher drunter leiden, dass man da in so eine Richtung gedrängt wird. Oder auch die Frage: “Haben Sie sich etwa nur für den Beruf entschieden?” Da höre ich auch immer so eine Wertung durch. Das würde einem Mann in meinem Alter nie so ergehen. Die Erwartungshaltung der Gesellschaft an die Frau Mitte 30 finde ich sehr zwiespältig und für das Jahr, in dem wir uns befinden, eigentlich auch ganz schön altmodisch.”

“Für jede Lösung ein Problem” lebt von der Freundschaft zwischen Gerri und Charly

Gerade das von Wackernagel angesprochene Umfeld ist ihrer Meinung nach im Roman von Kerstin Gier hervorragend dargestellt – insbesondere das Zusammenspiel zwischen Gerri und ihrer besten Freundin Charly (Maxi Warwel).

“Eine wirklich gute Freundschaft macht aus, wenn man die Sachen, die man über den anderen im tiefsten Inneren denkt, nicht erst in einem Brief schreibt, bevor man sich das Leben nimmt”, lacht die Schauspielerin. “Darüber hinaus würde ich aber sagen, dass Charly und Gerri eine sehr schöne, warme Freundschaft haben. Es gefällt mir gut, wie das in dem Drehbuch beschrieben wird. Dass man auch in schwierigen Zeiten für den anderen da ist, auch wenn er einen möglicherweise mit seinen Problemen nervt. Das gibt’s ja manchmal, dass dann alles nur um denjenigen kreist.Manchmal steht man dann da und weiß eigentlich nicht mehr, was man jetzt noch Tolles sagen kann, um demjenigen zu helfen. Aber darum geht es ja oft gar nicht. Es geht darum, da zu sein, zuzuhören, um dem anderen zu zeigen, dass man ihn verstehen kann.”

“Meine freundin und ich schreiben uns halbe Telefonbücher”

Besonders kann Katharina Wackernagel Gerri als Briefeschreiberin nachvollziehen – sie selbst bevorzugt die althergebrachte Handschrift mehr als E-Mails.

“Ich bin eine leidenschaftliche Briefeschreiberin und habe eigentlich überall, wo ich hingehe, Briefmarken dabei”, erzählt sie. “Weil ich nicht nur gerne Briefe schreibe, sondern auch gerne Postkarten – manchmal sogar lieber als Whatsapp. Ich mag es auch sehr gerne, selber Briefe zu bekommen. Meine älteste Freundin aus Kassel, wo ich aufgewachsen bin, und ich schreiben uns wirklich halbe Telefonbücher.

“Für jede Lösung ein Problem” wird am 19. März 2017 im ZDF um 20:15 gesendet. Der Roman ist bei Bastei Lübbe erschienen (304 Seiten, 9,99 € Taschenbuch/ 16 € gebunden/ 6,49 € E-Book).

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