Sebastian Fitzek über „AchtNacht“: „Das Schreiben war wie ein Rausch“

Sebastian Fitzek, AchtNacht, Interview
Foto: Olivier Favre

BBO-Interview: Nur wenige Tage ist der neue Thriller „AchtNacht“ auf dem Markt und Sebastian Fitzek hat bei den Amazon-Kunden bereits Spitzenbewertungen von 4,4 Sternen abgeräumt. Fitzek erklärt, was hinter der Idee der Hetzjagd steht.

BBO: In „AchtNacht“ haben wir es nicht mit einem Serienkiller zu tun, sondern mit einer öffentlichen Treibjagd. Das klingt ein wenig nach „Running Man“, „Todesmarsch“ oder auch „The Purge“. Was hat sie inspiriert, und wo wollten Sie andere Akzente setzen?

Sebastian Fitzek: Tatsächlich hat mich die Filmreihe „The Purge“ inspiriert, wobei mich als Autor weniger das „Jeder gegen Jeden“ in der Zukunft interessiert, sondern das Mobbing-Thema: Alle gegen Einen. Und mein Fokus liegt auch nicht auf einer künstlichen, unmenschlichen Game-Show-Dystopie. Ich habe mir die Frage gestellt, ob all diese düsteren Zukunftsvisionen nicht vielleicht schon längst Realität sind. Und ob eine Lüge, so unvorstellbar sie auch sein mag, nicht schon jetzt in der Gegenwart unermesslichen Schaden anrichten kann.

Die Idee zu „AchtNacht“ entstand bereits 2013

BBO: „AchtNacht“ war für Ihre Fans eine Überraschung, weil der Roman nur etwa sechs Monate nach „Das Paket“ erschienen ist. Haben Sie so schnell gearbeitet oder lebte diese Idee bereits länger in Ihnen?

Sebastian Fitzek: Die Idee „arbeitete“ seit 2013 in mir, als ich mich im Juni 2016 dann an den ersten Entwurf setzte war es wie ein Rausch und ich konnte gar nicht mehr aufhören zu schreiben. AchtNacht ist also ungeplant zwischen meine regulären, jährlichen Veröffentlichungen gerutscht. Das ist eine absolute Ausnahme und so schnell wird es von mir auch nicht mehr zwei Bücher in einem Jahr geben.

BBO: Wie stark sehen Sie in der Gesellschaft bereits in der aktuellen Situation die Bereitschaft, sich an Hetzjagden – wenn auch oft medial – zu beteiligen? Sinkt aus Ihrer Sicht die Hemmschwelle der Menschen in Richtung Populismus und Emotionalität?

Ein Experiment wird zur realen Bedrohung

Sebastian Fitzek: Genau das war die Frage, der meine Protagonisten auf den Grund gehen wollten. „AchtNacht“ startete ja als ein sozialpsychologisches Experiment, mit dem getestet werden sollte, ob eine völlig absurde Lüge, nämlich dass man straffrei einen Menschen töten darf, überhaupt von jemandem geglaubt werden würde. Ein Urheber dieses Experiments war dann so überrascht von der Beteiligung an dieser „Todeslotterie“, dass er das Experiment nicht wie geplant stoppte.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Mehrheit der Menschen nicht auf eine solche Lüge hereinfallen und sich auf die Jagd begeben würde.

Aber selbst wenn in Deutschland 99% aller Bürger vernünftig sind, bleiben statistisch gesehen noch immer 80.000 Menschen übrig, die für Angst und Schrecken sorgen können.

Ein Autor kann sich seine Geschichten nicht aussuchen

BBO: Nicht nur mit „AchtNacht“ bewegen Sie sich vom kriminalistisch orientierten Thriller weg, sondern Sie haben mit „Pupsi & Stinki“ ein Kinderbuch auf den Markt gebracht. Wollen Sie Ihren zukünftigen Fokus gezielt erweitern?

Sebastian Fitzek: Nein. Ich komme immer nur von einer Idee, die in meinem Hinterkopf so lange anklopft, bis sie mich quasi an den Schreibtisch zwingt. Über das Genre mache ich mir keine Gedanken. Ich glaube nicht, dass ein Autor sich seine Geschichten aussuchen kann, sie kommen zu ihm. Er kann allenfalls die Reihenfolge der Verwirklichung bestimmen.

BBO: Viele erfolgreiche Thriller-Autoren arbeiten mit wiederkehrenden Helden. Warum haben Sie sich bisher noch zu keinem Ermittlerduo oder einer Thrillerserie entschlossen?

Sebastian Fitzek: Auch hier: Ich kann das gar nicht entschließen. Sollte ich allerdings einmal eine Idee zu einer Serie haben, werde ich mich nicht dagegen sträuben.

BBO: Zehn Jahre nach „Die Therapie“ sind einige Ihrer Bücher verfilmt oder auf der Bühne inszeniert worden. Verändert das Ihren Schreibstil? Haben Sie mehr Filmszenen im Kopf als früher?

Sebastian Fitzek: Ich habe schon immer sehr filmisch gedacht und versucht, die Bilder, die ich im Kopf habe so szenisch wir möglich zu Papier zu bringen. Allerdings hoffe ich doch sehr, dass ich mich verändere und weiterentwickele. Stillstand ist für mich ein grauenhafter Zustand.

BBO: Vielen Dank für das Gespräch!

AchtNacht“ ist bei Droemer Knaur erschienen (416 Seiten, 12,99 € broschiert/8,99 € E-Book/14,99 € Audio-CD).

 

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