Patrick McGinley: Bogmail – Roman mit Mörder

Steidl Verlag hat mit “Bogmail” von Patrick McGinley eine Perle der irischen Literatur ausgegraben – überragend übersetzt von Hans-Christian Oeser.

Kneipenwirt Roarty hat ein Problem: Sein Schankhelfer Eales legt jedes Mädchen flach, das nicht bei drei auf den Bäumen ist. Insbesondere hat er es auf Tochter Cecily abgesehen. Die hat Roarty zwar in weiser Voraussicht nach London geschickt, aber ein Liebesbrief verrät ihm, dass sie dem Herzensbrecher längst erlegen ist.

Das Moor hat seine Geheimnisse

Außerdem ist Eales trotz seines schleimigen Charmes von Grund auf böse. So macht er sich einen Spaß daraus, das Vogelhäuschen genau so zu stellen, dass seine beiden schwarzen Katzen Alllegro und Andante ausreichend Deckung haben, um angelockte Vögel leicht töten zu können. Das reicht als Mordmotiv für Roarty aus. Zunächst schlägt ein Versuch fehl, den verhassten Barkeeper mit einem Giftpilzomelett ins Jenseits zu befördern. So entschließt sich Roarty spontan, Eales mit einem Band der Encyclopaedia Britannica zu erschlagen. Die Leiche lässt er im Moor verschwinden.

Doch das Glück des neu gewonnenen Seelenfriedens hält nicht lang an. Erstmal fällt Roarty siedendheiß ein, dass Eales´ Katzen ja auch noch da sind. Er kann also nicht behaupten, Eales sei einfach weitergezogen. Schließlich muss Roarty dem Dorfpolizisten McGing den Vermissten melden. Doch bereitet es im heimliches Vergnügen, den intelligenten, aber stets die falschen Schlüsse ziehenden Gesetzeshüter mit geschickter Hand stets in die falsche Richtung zu dirigieren.

In der Kneipe versammelt sich währenddessen allabendlich ein skurriles Ensemble an Stammgästen. Da ist der besserwisserische Fischer Rory Rua, der steinalte Crubog, der elegante englische Ingenieur Potter, Cor Mogaill Maloney oder der Reporter Gimp Gillespie, der jeden bis zum Abwinken volllabern kann.

Der Held erhält Bogmail

Im Ort scheint der Alltag wieder einzukehren, bis Roarty einen Drohbrief vom “Bogmailer” erhält. Offenbar hat ihn jemand aus dem Dorf im Moor beobachtet und erpresst ihn. Doch wer seiner betulichen, aber verschlagenen Gäste, die stets versuchen, sich gegenseitig übers Ohr zu hauen, kann der Erpresser sein? Roarty fürchtet, es handelt sich am Ende um Potter, seinen einzigen echten Freund. Ihm ist klar, dass der Mord an Eales ein Nachspiel hat und der Leichnam im Moor bald Gesellschaft bekommen muss. Bis der Erpresser seine Forderungen mit einem abgetrennten Fuß untermauert, der ausgerechnet bei McGing landet…

Ein Meisterwerk von Patrick McGinley und Übersetzer Hans-Christian Oeser

Fazit: “Bogmail” ist zwar schon im Jahr 1978 auf Englisch erschienen, wirkt allerdings alles andere als antiquiert. Die Geschichte entspinnt sich insbesondere am Tresen von Roartys Kneipe, in der die Dorfbevölkerung ebenso engagiert und ernsthaft über das Kopulationsverhalten von Wattwürmern wie über Frauen diskutiert. Patrick McGinley inszeniert intelligente, oft schreiend komische Dialoge, zeichnet wunderbar verrückte Charaktere und schafft Situationen, in denen man Whisky und Salzwasser förmlich riechen kann.

Dabei ist “Bogmail” eigentlich kein Krimi im klassischen Sinne. Den Reiz machen nicht Schockeffekte oder polizeiliche Ermittlungsarbeit aus, sondern das herrlich verschrobene Ensemble, das Patrick McGinley aufspielen lässt. Bemerkenswert ist, wie meisterhaft Hans-Christian Oeser den durchaus sprachlich farbigen Text übersetzt hat. Selbst für Fortgeschrittene ist der Roman im Original nicht einfach zu lesen. Ein brillantes Buch – nicht nur für Krimi-Fans!

“Bogmail” ist beim Steidl Verlag erschienen (344 Seiten, 24 € gebunden/17,99 € E-Book).

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