Paul Auster über “4 3 2 1”: “Sex spielt im Buch eine große Rolle”

Mit “4 3 2 1” legt US-Bestsellerautor Paul Auster sein Opus Magnum vor: Auf 1200 Seiten schildert er das Schicksal eines Amerikaners aus vier verschiedenen Perspektiven.

Paul Auster hat soeben seinen langerwarteten Mega-Roman “4 3 2 1” veröffentlicht. Der US-Bestsellerautor, der am 3. Februar 70 wird, liefert dabei nicht weniger als 1200 Seiten ab.

Paul Auster liefert einen “Elefanten von einem Buch”

“Obwohl das Buch sehr lang ist, ein richtiger Elefant von einem Buch, hoffe ich, dass es ein schneller Elefant ist, einer der richtig flitzt”, sagt Paul Auster zu seinem Großwerk. Von der Anlage her benötigt die Geschichte allerdings durchaus Raum. Paul Auster erzählt von dem 23jährigen Archibald Ferguson, der durch Erzählungen aus der Familiengeschichte erkennt, dass alle Lebenswege in hohem Maße aus Zufällen – Unglück oder Glück – bestehen. Jeder Zufall könnte das Schicksal eines Menschen in völlig andere Bahnen leiten.

“Ich habe schon seit Ewigkeiten mit dem Gedanken gespielt”, sagt Auster. “Die Idee parallelen Lebens, alternativer Realitäten, Ich habe keine Ahnung, was dieses Buch angestoßen hat, aber als ich erst die Idee hatte, wusste ich genau, wie ich es schreiben muss. Ich denke, das Buch geht durch jede erdenkliche Emotion: Tragödien geschehen in diesem Buch, aber ebenso Glücksfälle.”

Zufälle bestimmen die Höhen und Tiefen des Lebens

In allen Fällen nimmt das Leben des Protagonisten Ferguson einen völlig anderen Verlauf.

“Die verschiedenen Väter gehen durch Höhen und Tiefen”, erklärt Paul Auster. “Einer verliert sein Geld, einer wird reich, wieder ein anderer stirbt, es ist alles sehr kompliziert. Die Mutter Rose ist Fotografin mit unterschiedlichem Einsatz und Erfolg in den vier Variationen. Und dann gibt es noch das Mädchen, das Gegenstück zu Ferguson, Amy Schneiderman. Das führt ins Königreich erotischer Glücksseligkeit. Denn Sex spielt im Buch eine große Rolle, denn es ist natürlich das wichtigste auf der Welt.”

Allerdings reflektiert Auster in dem Buch nicht notwendigerweise seine eigene Biografie, auch wenn Archibald Ferguson in einer der Lebenswege schließlich selbst Schriftsteller wird.

Auster: “Nein, es war keine Nostalgiereise. Aber es stimmt: Wenn man älter wird so wie ich blickt man öfter zurück und denkt häufiger an Vergangenes als wenn man mit 30, 40 oder 50 in der Mitte des Lebens steht. In dem Alter blickt man weniger zurück, denn dann liegt so vieles noch vor einem. In meinem Alter dagegen mit 69, fast 70, wird die Vergangenheit größer. Und man läuft mit Geistern im Kopf herum. Ich ertappe mich dabei, dass ich oft imaginäre Gespräche mit Geistern führe. Ich rede mit denen genauso oft wie ich mit lebenden Menschen rede. Ich spürte beim Schreiben eine Musik in meinem Ohr. Ich habe einen Weg gefunden, diese Musik zu Papier zu bringen. Ich hatte das Gefühl, es war eine Art Tanz. Ich tanzte also durch das Buch. Ich lief nicht, ich tanzte.”

Der Titel “4 3 2 1” war so nicht geplant

Der durchaus merkwürdige Titel “4 3 2 1” entstand dabei aus der Not heraus. Ursprünglich sollte das Buch nämlich Ferguson nach dem Helden betitelt werden, doch die Erschießung eines unbewaffneten schwarzen Jugendlichen und die anschließenden Proteste zwangen Paul Auster zum Umdenken. “Fergusson – ich wollte das Buch nach dem Protagonisten nennen. Aber nach etwa anderthalb Jahren Arbeit an dem Buch passierte diese furchtbare Sache in den USA, und plötzlich war der Name Ferguson mit dem rassistischen Hass in den USA belastet. Also musste ich mir etwas Neues einfallen lassen.”

“4 3 2 1” ist bei Rowohlt erschienen (1264 Seiten, 29,95 € gebunden/26,99 € E-Book).

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