„Landgericht“: ZDF sendet Film zum Buch von Ursula Krechel

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Johanna Wokalek und Ronald Zehnfeld spielen die Hauptrollen im ZDF-Zweiteiler "Landgericht". Foto: Walter Wehner/ZDF.

Der Film zum Buch  „Landgericht“ von Ursula Krechel wird heute und morgen um 20:15 gezeigt. In der Mediathek ist der Zweiteiler bereits online.

Nicht nur Fans von Buchpreis-Gewinnerin Ursula Krechel dürfen sich auf einen längeren Fernsehabend freuen. Heute und morgen sendet das ZDF die Umsetzung von „Landgericht“ als Zweiteiler. Buch und Film erzählen die Geschichte eines jüdischen Richters Richard Kornitzer und seiner Familie, die vor den Nazis aus Deutschland fliehen müssen.

„Landgericht“ war als Buch nicht unumstritten

Die Auszeichnung mit dem Deutschen Buchpreis war allerdings nicht unumstritten. „So bestätigt „Landgericht“ ein weiteres Mal den Eindruck, dass es beim Deutschen Buchpreis vor allen darum geht, Romane auszuzeichnen, die der Selbstvergewisserung der Deutschen, der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte dienlich sind“, schrieb etwa der SPIEGEL 2012 nach der Verleihung.

Das dürfte beim aufwändig von Regisseur Mathias Glasner inszenierten Film weniger ins Gewicht fallen. Die Hauptrollen sind mit Ronald Zehrfeld und Johanna Wokalek prominent besetzt.

Das Drehbuch als Herausforderung

Für Drehbuchautorin Heide Schwochow war die Verfilmung des Romanstoffs alles andere als ein Selbstgänger. „Ehrlich gesagt, die Entscheidung fiel mir nicht leicht“, sagt Schwochow. „Dieser große Roman. Was für ein Reichtum auf fast 500 Seiten. Wie viele Nuancen, Zwischentöne, Reflexionen. Wie akribisch die zugrunde liegende Recherche. Und da ist diese verzweigte, vielschichtige Geschichte, die Zeit und Raum braucht, um sich zu entfalten. Geht das überhaupt?“

Schwochow begann, den Roman neu zu lesen. „Während ich unter dem Gesichtspunkt einer Adaption neu las, begann ich Randbemerkungen zu machen, sah eigene Bilder. Die Figuren bekamen ihre Interpretation. Und dann verliebte ich mich in Claire. Was für eine Frau! Sie, die keine Jüdin ist, lässt sich nicht von Richard scheiden, nein, sie hält konsequent zu ihrem Mann. Claire muss Abschiede ertragen. Ihre Kinder Selma und Georg werden mit dem jüdischen Kindertransport nach England geschickt. Sie verabschiedet Richard in die Emigration nach Kuba, weil nur er ein Visum bekommen hat. Claire bleibt allein in Nazideutschland zurück und ist der Willkür ausgesetzt. In ihren Briefen aber macht sie der Familie Mut. Das ist Claire: Sie spielt ihre Verzweiflung herunter, kämpft gegen ihre Emotionen an, sie zeigt Stärke: für ihre Kinder, für ihren Mann, für ihre Familie.“

Johanna Wokalek: „Die Rolle ist ein Geschenk für eine Schauspielerin“

Johanna Wokalek, die im Film Claire spielt, zeigte sich von dem Stoff begeistert.
„Claire Kornitzer ist für mich eine kluge, selbstbewusste und starke Frau“, erklärt Wokalek. „So hat sie auch Heide Schwochow im Drehbuch wunderbar von allen Seiten beleuchtet. Diese Rolle ist ein Geschenk für eine Schauspielerin. Claire muss immerzu einem inneren Konflikt standhalten: nämlich, ob es richtig war, die Kinder nach England zu verschicken, um sie zu retten, aber dadurch zu riskieren, den Kontakt zu verlieren und nicht mehr die Mutter ihrer Kinder zu sein? Mit dieser inneren Zerrissenheit muss sie leben.“

„Landgericht“ wird am Montag, den 30. Januar 2017 und am Dienstag, den 1. Februar 2017 ab 20:15 gesendet. Beide Teile sind jetzt in der ZDF-Mediathek verfügbar.

Das Buch vonm Usula Krechel ist bei btb erschienen (512 Seiten, 29,99 € gebunden/12,99 € Taschenbuch/9,99 € E-Book, 19,99 € Hörbuch).

2. „Landgericht“: Das geschieht in Teil 1

Berlin 1938. Richard Kornitzer hat als Richter schon früh spektakuläre Fälle verhandelt. Seine Ehefrau Claire hat ihre eigene Werbefilmfirma gegründet. Doch beide bekommen die Nazi-Regierung zu spüren. Richard hat als Jude Berufsverbot, Claire verliert ihre Firma. Schweren Herzens verschicken sie ihre beiden kleinen Kinder Georg und Selma nach England. Doch auch Richard muss fliehen: Er erhält ein Visum für Kuba. Claire bleibt allein in Berlin der Willkür der Gestapo ausgesetzt. Ohne ihr konfisziertes Vermögen kann sie kein Visum mehr für sich selbst bezahlen. Claire flieht aus Berlin ins Schwabenland – mit nur noch einem Koffer.

Obwohl der Gestapo entkommen, sind die Kinder in England vor ihrer übergriffigen Gastfamilie nicht sicher. Sie reißen aus und landen in einem Kinderheim, bis sie endlich liebevoll von der Familie Hales aufgenommen werden.

Richard hat längst keinen Kontakt mehr zu Claire, verliebt sich in die junge Lehrerin Charidad und wird wieder Vater. Als er 1947 uznerwartet von Claire einen Brief bekommt, steht Richard vor der schicksalhaften Frage, ob er nach Berlin zurück soll.

1. „Landgericht“: Das geschieht in Teil 2

Richard kehrt schließlich zu Claire zurück, um ein neues Deutschland mit aufzubauen. Nach endlos scheinenden bürokratischen Hürden darf Richard wieder als Richter in Mainz arbeiten – nur, um festzustellen, dass viele Nazi-Richter jetzt hohe Posten in der Nachkriegs-Justiz haben.

Claire und Richards Kinder gelten währenddessen als verschollen. Claire lernt Englisch und telefoniert pausenlos Kinderheime ab, doch die Kinder bleiben verschwunden.
Richard übernimmt in Mainz einen spektakulären Prozess gegen Nazi-Verbrecher. Doch die Kinder bereiten weiter sorgen. Claire hat die beiden zwar aufgespürt. Doch Georg will in England studieren, Selma bei ihren Pflegeeltern bleiben.

Richard endet bei seinem wichtigen Prozess zwischen den Fronten der Opfer und der Täter des NS-Regimes. Verzweifelt kämpft er gegen die ehemaligen NS-Richter und versucht, sich zu rehabilitieren. Daran droht die Ehe zwischen Richard und Claire endgültig zu scheitern.

 

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