Bernhard Aichner über “Totenrausch”: “Ich habe Leichen gesehen, viele Leichen”

Bernhard Aichner, Totenrausch
Foto: Ursula Aichner

Für seine “Totenfrau”-Trilogie hat der österreichische Thriller-Autor Bernhard Aichner ein Praktikum beim Bestattungsunternehmen gemacht – jetzt ist mit “Totenrausch” das Finale der Trilogie erschienen.

Mit überragenden 4,7 von 5 möglichen Sternen bei den Amazon-Rezensionen hat Bernhard Aichner mit “Totenrausch” den bislang beliebtesten Teil seiner “Totenfrau”-Trilogie vorgelegt.

Der bislang beste Blum-Thriller führt ins Milieu

Die Story: Bestatterin Brünhilde Blum hat als Racheengel den Mord an ihrem Mann gesühnt. Allerdings gehen jetzt fünf Morde auf ihr eigenes Konto. So ist sie auf der Flucht. Mit einer neuen Identität und ihren zwei Töchtern taucht sie in einem Fischerhäuschen an der Elbe unter. Doch dann meldet sich der Hamburger Zuhälter wieder, der Blum die falschen Papiere besorgt hat. Er verlangt als Bezahlung einen Auftragsmord…

Im ersten Halbjahr tourt Bernhard Aichner mit “Totenrausch” durch 40 Städte. Mittlerweile sind auch die Arbeiten an der TV-Serie fortgeschritten, wie der Autor im Interview verrät.

“Totenrausch”: Drei Fragen an Bernhard Aichner

Hand aufs Herz: Wie viel Blum steckt in Bernhard Aichner?

Bernhard Aichner: Eine ganze Menge. Oder besser anders herum, eine große Portion Bernhard Aichner steckt in Blum. Meine Heldin rennt mit dem Herz in der Hand durch die Welt, das mache ich auch. Ich bin völlig bauchgesteuert, ich hasse Regeln, handle intuitiv, verlasse mich auf mein Gefühl. Das macht Blum auch. Und genau das macht sie menschlich, die Liebe zu ihren Kindern, die Emotion, die sie antreibt, ihr unerschütterlicher Glaube an ein gutes Ende. Naiv ist das vielleicht, aber schon.

In allen drei Büchern ist der Tod ein zentrales Thema – nicht nur in Form von gewalttätigen Morden, sondern auch die Alltäglichkeit des Sterbens. Haben Sie Angst vor dem Tod?

Bernhard Aichner: Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, deshalb habe ich während der Arbeit an der Trilogie auch ein Praktikum bei einem Bestattungsinstitut gemacht. Meine Angst vor dem Tod ist dadurch kleiner geworden. Es war eine richtig schöne und am Anfang auch eine sehr schräge Erfahrung, dem Tod auf diese Weise näherzukommen, zu akzeptieren, dass wir letztendlich alle sterben werden. Ich durfte bei der Versorgung der Verstorbenen mithelfen, die zur Verabschiedung am offenen Sarg vorbereitet wurden.

Dankbarkeit fürs Leben

Ich habe Leichen gesehen, viele Leichen. Dadurch wuchs die Dankbarkeit in mir, leben zu dürfen. Über das Sterben spricht man nicht gern, es ist unheimlich, es gilt als schlechtes Omen, wenn man sich damit auseinandersetzt. Die Verstorbenen sollen so schnell wie möglich unter die Erde, das Leben soll weitergehen, der Tod soll keinen Platz in unserem Leben bekommen. Das hat mich immer befremdet. Deshalb wurde ich neugierig. Was passiert, wenn man stirbt? Was macht es mit mir, wenn ich hinsehe? Ich habe es herausgefunden. Am Anfang hatte ich Angst vor den Toten. Aber nur kurz, die Angst verflog schnell. Bald wurde alles selbstverständlich. Ich erinnere mich daran, als ich zum zweiten Mal bei einer Versorgung dabei war. Ich fand mich irgendwann mit einem Fon in der Hand am Kopfende des Versorgungstisches. Ich stand da und föhnte einer vierundachtzigjährigen Frau die Haare. Ich hatte die schneeweißen Haare vorher gewaschen, Shampoo einmassiert und es wieder heraus gespült. Ich fragte mich: „Was zur Hölle tust du da?“ Die Antwort kam umgehend. Ich war dort, weil ich genau das machen wollte. Lernen. Hinspüren. Und etwas geben. Verrückterweise fühlte es sich gut an.

Sie haben angekündigt, dass nach „Totenrausch“ kein weiteres Buch mit Blum folgen wird. Sind Sie traurig – oder haben Sie bereits einen vierten Band in der Tasche, zumal nach dem großen Erfolg derzeit eine TV-Serie in den USA vorbereitet wird?

Nach “Totenrausch” endet die Karriere von Brünhilde Blum

Bernhard Aichner: Es ist ein Glücksfall, dass der US-Sender LIFETIME „Woman of the Dead“ produziert. Die Arbeiten sind in vollem Gange, im Frühjahr wird der Pilot gedreht. Wenn alles gut geht, kommt es zu einer Staffel 1, wenn dann immer noch alles gut geht, kommt es zu Staffel 2. Und dann vielleicht Staffel 3. Aber das dauert noch, deshalb nutze ich die Zeit und arbeite an einem neuen Roman, der im Frühjahr 2018 erscheinen wird, ein Stand-Alone. Die Blum-Trilogie ist mit „Totenrausch“ abgeschlossen. Ich kann meine Heldin mit gutem Gewissen ziehen lassen, nachdem ich sie einmal noch durch die Hölle geschickt habe. Ein vierter Band ist im Moment nicht vorgesehen, aber man weiß ja nie. Blum lebt …

Interview: btb

“Totenrausch” ist bei btb erschienen (480 Seiten, 19,99 € gebunden/15,99 € E-Book).

 

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