Harlan Coben: Preisgeld

Der vierte Thriller rund um Sportagent Myron Bolitar ist zwar bereits neunzehn Jahre alt, aber erst jetzt in neuer deutscher Übersetzung erschienen.

Endlich ist „Preisgeld“, der vierte Band der Myron-Bolitar-Serie von Harlan Coben, in deutscher Übersetzung auf den Markt gegkommen. Ursprünglich war das englische Original bereits 1997 in den USA veröffentlicht worden – doch das macht dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Das Preisgeld wird zum Lösegeld

Die Übersetzung lohnt sich dabei nicht nur für Fans des skurrilen Sportagenten, der regelmäßig in spektakuläre Kriminalfälle hineinrutscht. So ist Myron Bolitar während des US Open Golfturniers unterwegs, um Klienten für seine Agentur MB SportsRep zu gewinnen. Diesmal sind die US Open besonders aufsehenerregend. Der alternde Golfprofi Jack Coldren blickt auf eine durchwachsene Karriere zurück: Eine unnötige und daher besonders bittere  Niederlage bei den US Open vor vielen Jahren hat Coldren tief verstört. In diesem Jahr aber führt Coldren völlig überraschend mit deutlichem Vorsprung vor Youngster Tad Crispin und hat es in der Hand, endlich die US Open zugewinnen. Die Golfwelt bereitet sich darauf vor, Zeuge eines der spektakulärsten Comebacks der letzten Jahre zu werden.

Ausgerechnet jetzt wird Jack Coldrens sechzehnjähriger Sohn Chad entführt. Coldren und seine Frau Linda, selbst Golf-Superstar, wollen aber wegen des Drucks der Öffentlichkeit unbedingt jedes Aufsehen vermeiden. Statt das FBI einzuschalten, wird Myron Bolitar mit den Nachforschungen beauftragt.

Myron Bolitar glaubt an einen Hoax

Lange ist nämlich völlig unklar, ob tatsächlich ein Verbrechen vorliegt oder ob es sich möglicherweise um einen schlechten Scherz von Chad selbst handelt. Die gesamte Aktion wirkt zunächst reichlich unprofessionell: Beim ersten Drohanruf vergessen die Entführer beispielsweise, eine Lösegeldforderung zu stellen.

Doch bald ist klar, dass es die Entführer bitter ernst meinen. Die Coldrens erhalten einen abgehackten Finger ihres Sohnes. Das, so heißt es in einem Begleitschreiben, sei die Strafe dafür, dass Myron Bolitar eingeschaltet wurde. Bolitar lässt der Fall aber nicht los. Zusammen mit Assistentin Esperanza Diaz und seinem psychotischen Kumpel Windsor „Win“ Horne Lockwood ermittelt der Sportagent im Geheimen und stößt prompt auf ein verwirrendes Intrigenspiel. Hinter der Ränke stehen mitnichten einfache Gangster. Im gediegenen Ambiente des legendären Golfclubs wirken vielmehr geheime Kräfte, und die haben ganz anderes im Sinn als nur Lösegeld.

Harlan Coben at his best

Fazit: Wer Harlan Cobens Superhelden Myron Bolitar kennt, weiß, was ihn erwartet. Der Sportagent ist mit seiner teils bis zur Albernheit schnoddrigen Art einer der spannendsten Thriller-Charaktere überhaupt. Auch in „Preisgeld“ haut der Held einen Spruch nach dem anderen heraus.

Dabei hat Myron Bolitar – Sportagent hin oder her – weder Ahnung noch Respekt vor dem Golfsport. So ist der Beginn des Romans eher amüsant als schweißtreibend, denn der eigentliche Kriminalfall nimmt erst nach gut 100 Seiten Fahrt auf. Das ist aber kein Makel. „Preisgeld“ ist deswegen so lesenswert, weil einerseits das Zusammenspiel von Myron Bolitar, Win Lockwood und Esperanza Diaz wieder ein so reizvolles Trio abgibt, dass nie Langeweile aufkommt. 

Ab der Hälfte dreht sich das Geschehen ins Dramatische. Coben tut das, was er am besten kann und inszeniert ein wahres Verwirrspiel mit falschen Fährten, überraschenden Wendungen und unerwarteten Motiven.

Myron Bolitar ist ein einzigartiger Held, und so ist auch „Preisgeld“: Spannend bis zur letzten Seite und nicht nur für Fans unbedingt lesenswert. Harlan Coben in Bestform!

„Preisgeld“ ist beim Goldmann Verlag erschienen (384 Seiten/9,99 € Taschenbuch/8,99 € E-Book).

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