Colin Barrett: Junge Wölfe

Der in rotem Leinen gebundene, nur gut 220 Seiten starke Erzählband „Junge Wölfe“ ist das Debut des jungen irischen Schriftstellers Colin Barrett. Und das hat es wahrlich in sich.

Colin Barrett gilt seit der Veröffentlichung seines Erzählbandes „Junge Wölfe“ vor drei Jahren in Irland als einer der literarischen Hoffnungsträger. Dieses Jahr hat Steidl Verlag endlich die deutsche Übersetzung auf den Markt gebracht. Der vergleichsweise geringe Umfang des Buches sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eine sprachliche Perle für Fans skurriler bis kaputter Typen geboten wird.

Colin Barrett gilt als der Newcomer der irischen Literaturszene

Barrett liefert sieben Geschichten rund um seine meist männlichen, jugendlichen Protagonisten, die teils wie aus einem Tarantino-Film oder einem Roman von T. C. Boyle gegriffen zu sein scheinen.

Da trifft man auf den gehörnten Jimmy Devereux, der nach einer letzten Liebesnacht tags zuvor von der bevorstehenden Hochzeit seiner angebeteten Marlene erfährt. „Heirate mich!“ schmiert Jimmy auf den Kleinwagen des Bräutigams, ehe er seinen ohne Beruhigungstabletten brandgefährlichen, riesenhaften Freund Tug dazu bringt, das Auto aufs Dach zu kippen.

Junge Wölfe ohne Perspektive

Oder Türsteher Val, der sein weibliches Umfeld flächendeckend mit Affären bespaßt, dabei aber nicht einmal vor der Tochter des Clubbesitzers zurückschreckt. Nicht zu vergessen der schmächtige Dympna, der im Provinznest das Marihuana-Monopol hält, aber nur, weil er sich Neider und andere Kleinkriminelle mit Hilfe seines Freundes Arm vom Leibe hält.

Fazit: Dieses faszinierende Panoptikum an Dosenbier-Jungs, Cannabis-Dealern, jugendliche Rasern und verqueren Existenzen eint eine Perspektivlosigkeit, die Colin Barrett mit einer fast greifbar wirkenden Plastizität beschreibt. Barrett kann etwas, was mittlerweile vielen Autoren verloren zu gehen scheint: Er malt mit seinen Worten Bilder im Kopf. Hervorragender Tipp für Leser mit Hang zu kaputten Typen, wie sie etwa bei „Grün ist die Hoffnung“ von T. C. Boyle oder „Der goldene Handschuh“ von Heinz Strunk auftreten.

„Junge Wölfe“ ist beim Steidl Verlag erschienen (224 Seiten, 20 € gebunden / 14,99 € E-Book).

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