Iny Lorentz: Das Mädchen aus Apulien

„Das Mädchen aus Apulien“ ist ein Historienroman von Iny Lorentz, der thematisch an „Der Medicus“ von Noah Gordon erinnert. BBO hat das Buch unter die Lupe genommen.

„Das Mädchen aus Apulien“ entführt den Leser ins Italien des 13. Jahrhunderts: Nach dem Tod des Grafen Guthier de Montcœur ist die 14jährige Adelstochter Pandolfina Vollwaise. Ihre Mutter, eine heilkundige christliche Sarazenin, ist bereits vor Jahren verstorben. Zu allem Unglück bedroht der benachbarte Raubritter Baron Silvio di Curdi die Burg mit seinen Söldnern. Er behauptet, mit Verfügung und Duldung des Papstes Pandolfina ehelichen und ihr Erbe verwalten zu dürfen. Die schwach besetzte Festung wird durch Verrat genommen, die letzten Waffenknechte des verblichenen Burgherren niedergemetzelt. Pandolfina gelingt die Flucht mit Hilfe eines Küchenmädchens.

Kreuzzug-Muffel Friedrich II

Sie schlägt sich bis nach Barletta durch, wo sie bei König Friedrich II. Schutz sucht. Der liegt selbst gerade im Streit mit dem Papst und nimmt Pandolfina nach einigem Zögern unter sein Fittiche. Einen für das Jahr 1215 zugesagten Kreuzzug hatte Friedrich wegen politischer Unruhen in Sizilien abgesagt. Dafür wurde er von Papst Gregor IX. 1227 exkommuniziert. Als er schließlich 1228/29 doch ins Heilige Land aufbricht und wichtige Pilgerstätten erobert, gelingt eine Versöhnung mit dem Kirchenoberhaupt.

Das Mädchen aus Apulien wird zum Medicus

Im Roman ist es Pandolfina de Montcœur, die dem König mit ihren rudimentären Heilkünsten dient und schließlich sogar das Leben rettet. Im Gegenzug darf sie als eine der ersten Frauen in Salerno Medizin studieren. Doch das Schicksal bringt sie nach Deutschland und in großer Gefahr…

Fazit: Iny Lorentz bleibt ihrem Stil treu und liefert mit „Das Mädchen aus Apulien“ leicht Verdauliches vor mittelalterlichem Hintergrund. Trotz der für das Autorenpaar üblichen historischen Recherche ist der geschichtliche Kontext da und dort wenig mehr als Kulisse. Nicht immer glaubwürdig ist außerdem, wenn die 14jährige Pandolfina etwa mit dem Küchen-Kind Cita päpstliche Dekrete diskutiert oder Burgwachen wildfremden Besuchern detaillierte Auskünfte über den aktuellen Gesundheitszustand von Friedrich dem II. erteilen.

Unkompliziertes Mittelalter-Abenteuer

„Das Mädchen von Apulien“ ist trotz einiger Gewaltszenen bei weitem nicht so organisch und brutal wie etwa Ken Follets „Die Säulen der Erde“ oder „Der Medicus“ von Noah Gordon. Der Reiz des Romans liegt in der abenteuerlichen Odyssee der Heldin durch die farbenprächtigsten Landstriche Europas bis ins Heilige Land hinein. Dieser stete Wechsel bunter Szenerien hält den Leser bis zum Schluss dran.

Wer tiefer in der Geschichte verankerte Romane sucht, wird mit den genannten Alternativen sicher glücklicher. „Das Mädchen von Apulien“ ist das richtige für Leute, die einen modernen, unkomplizierten Erzählstil im Historienroman mögen.

„Das Mädchen von Apulien“ ist bei Droemer Knaur erschienen (624 Seiten, 17,99 € E-Book, 19,99 € gebunden).

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