Nele Neuhaus: Im Wald

Krimis von Nele Neuhaus verkaufen sich bekanntlich wie geschnitten Brot. Ob ihr neuer Taunus-Krimi Im Wald mit dem hohen Niveau der Bodenstein-und-Kirchhoff-Thriller mithalten kann, erfahren Sie im BBO-Buchtipp.

Im Taunus ist es wieder mal mehr unheimlich als heimelig. Mitten im Wald bei Ruppertshain brennt ein Campingwagen ab. Die Feuerwehr birgt eine Leiche, und bald steht fest, dass es sich um Brandstiftung gehandelt hat. Und mehr noch: Es geht um Mord. Oliver von Bodenstein und Pia Sander (ehemals Kirchhoff) übernehmen die Ermittlungen.

Im Wald regiert das Grauen

Doch für Bodenstein wird die Sache persönlich: Es stellt sich heraus, dass ein Mörder wegen eines lange zurückliegenden Geheimnisses seine Spuren verwischen will, und das ausgerechnet unter den Menschen, die er seit seiner Kindheit kennt.

Oliver von Bodenstein hat aber noch ganz andere, persönliche Probleme: Er ist ausgepowert und will eigentlich ein Sabbathjahr einlegen.

Doch der Mörder schlägt erneut zu. Diesmal trifft es die Mutter des Toten aus dem Wohnwagen, die Bodenstein ebenfalls aus Kindertagen kennt. Die drohende Befangenheit, gegen eigene Bekannte ermitteln zu müssen und Oliver von Bodensteins latenter Burnout bringt allerdings Pia Sander in die Position der leitenden Ermittlerin. Denn alles deutet darauf hin, dass der Fall mit einem Kindheitstrauma von Oliver von Bodenstein zu tun hat. Im Sommer 1972 war nämlich Bodensteins Jugendfreund Artur zusammen mit seinem zahmen Fuchs spurlos verschwunden. Oliver von Bodenstein gibt sich die Schuld, entdeckt aber zahlreiche Ungereimtheiten und Ermittlungsfehler in der Vergangenheit.

Enormes Ensemble

Fazit: Nele Neuhaus bleibt ihrem Stil auch in Im Wald treu. Die vermeintliche Idylle entpuppt sich als trügerisches Labyrinth aus Familienzugehörigkeiten und Beziehungsgeflechten, das die Autorin mit einem enormen Ensemble an Figuren inszeniert. So treten gut und gerne 30 Ruppertshainer auf. Das Ermittlerteam um Oliver von Bodenstein und Pia Sander nebst familiären Anhang bringt es alleine schon auf mehr als 20 Figuren. Da ist das Personenregister insbesondere in der ersten Hälfte des Romans erheblich von Nutzen. Nele Neuhaus neigt nämlich dazu, Nebenhandlungen und falsche Fährten recht ausführlich auszuarbeiten. Das ist nicht jedermanns Sache und verlangsamt stellenweise den Fortlauf des eigentlichen Falls. Dadurch gelingt Neuhaus allerdings ein vielschichtiges Bild der Ortsgemeinschaft, in der jeder ein Motiv zu haben scheint. Gerade die persönliche Situation der Ermittler machen den Reiz von Im Wald aus.

Im Wald ist bei Ullstein erschienen (560 Seiten, 22€ gebunden, 16,99€ E-Book).

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