Simon Beckett: Totenfang

Totenfang ist der fünfte Fall für den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter und bisher einer der spannendsten.

Beileibe nicht alle Bücher von Simon Beckett sind wirklich empfehlenswert. Allerdings sind nicht etwa Becketts schwächere Romane wie Tiere, Voyeur oder Der Hof in Deutschland der Renner, sondern seine Serie rund um den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter.

Simon Beckett ist Fachmann

Das hat freilich Gründe: Simon Beckett versteht es wie kaum ein anderer, die Untersuchung und Bergung verwesender Leichen spannend und glaubwürdig zu beschreiben. Bereits 2002 hatte er als freier Journalist die Body Farm der University of Tennessee in Knoxville, das größte forensische Labor der Welt, besucht und bei simulierten Leichenfunden selbst mitgewirkt.

Auch Totenfang startet als fünfter Fall für Dr. David Hunter nicht ohne organisches Grauen. Hunter ist längst nicht mehr der gefragte Berater der Polizei, sondern fristet nach dem Tod von Frau und Kind sein Dasein in der Uni. Seine alten Freunde Jason und Anja haben ihn zum Wochenende eingeladen, hauptsächlich, um ihn zu verkuppeln und ins Leben zurückzubringen. Doch Dr. David Hunter graut es mehr vor menschlicher Kommunikation als vor Leichenteilen. Wie gut, dass ihn ein Hilferuf der Polizei in Essex erreicht und es eine Wasserleiche zu bergen gilt.

Gefahr in den Backwaters

Dr. David Hunter reist also in die Abgeschiedenheit der Backwaters und nicht zur Kuppel-Party. Dort ist Leo Villiers, Sohn einer einflussreichen Familie verschwunden, und die Polizei geht davon aus, dass es sich bei der Leiche um den Vermissten handelt. Viel ist von dem Toten nicht übrig geblieben, doch eine riesige Schusswunde am Kopf deutet darauf hin, dass sich Villiers selbst mit einer Schrotflinte getötet hat. Außerdem steht zur Debatte, dass der 31jährige eine Beziehung zu einer verheirateten Frau hatte, die ebenfalls nicht mehr auffindbar ist. Ein Mord, der auf Villiers Konto geht?

Ein Fuß im Wasser

Doch für Hunter passt der Zeitpunkt des Verschwindens nicht mit dem Verwesungszustand der Leiche zusammen. Er wird in einem alten Bootshaus für die Zeit seiner Ermittlungen untergebracht und stößt auf eine Mauer des Schweigens. Bald wird klar, dass die Backwaters noch viel mehr Geheimnisse bergen, an denen die Bevölkerung nicht mehr rühren will. Denn plötzlich taucht im Wasser ein abgetrennter Fuß auf – und der gehört nicht zu der bereits gefundenen Leiche…

Totenfang ist einer der besten Hunter-Krimis

Fazit: Totenfang ist natürlich ein Muss für Hunter-Fans. Der Reiz der Geschichte geht wie gewohnt von der durchaus spannenden Untersuchung der Leichen aus, allerdings versteht es Simon Beckett wieder einmal hervorragend, den Leser immer mehr durchs Buch zu ziehen. Dies gelingt auch durch die atmosphärisch dichte Schilderung der provinziellen Backwaters und deren durchaus unheimlichen Bewohner. Trotz der Thematik ist Totenfang kein wirklich blutrünstiger Thriller, sondern liefert vielmehr kurzweilige Krimi-Unterhaltung mit einem überraschenden Ende. Ein sehr guter Tipp für ein spannendes Krimi-Wochenende!

Totenfang ist bei Rowohlt erschienen (560 Seiten, 22,95€, 19,99€ E-Book).

Hinterlassen Sie eine Antwort!