Girl on the train: Wie gut ist das Buch zum Film?

Der Nummer-1-Hit Girl on the train steht seit der Verfilmung mit Emma Blunt wieder ganz oben in den Charts. Dabei ist der intelligent aufgebaute Thriller stellenweise gar nicht so leicht zu ertragen.

Paula Hawkins ist es als einer der wenigen überhaupt gelungen, mit ihrem Debütroman auf Anhieb einen Bestseller zu landen. Alleine in Deutschland gingen mehr als eine halbe Million Exemplare über die Ladentheken. Das liegt mitnichten an den sympathischen Charakteren, sondern an einem intelligent aufgebauten Verwirrspiel, das Paula Hawkins zeitversetzt aus drei Perspektiven erzählt.

Das Girl on the train trinkt

Zunächst einmal begleitet der Leser die alkoholkranke Rachel, die wegen ihrer zerbrochenen Ehe zudem zutiefst depressiv ist. Auf dem täglichen Weg zur Arbeit beobachtet sie aus dem Zugfenster heraus ein junges Pärchen bei ihrem Alltag. „Jess“ und „Jason“, wie sie die beiden nennt, werden für Rachel mehr und mehr zur fixen Idee. Sie steigert sich immer weiter in Phantastereien über das Liebesglück des unbekannten Paares, um ihren eigenen Schmerz zu verdrängen.

Dennoch reicht dies nicht aus. Rachel greift nach wie vor zur Flasche und neigt dazu, bis hin zu Handgreiflichkeiten vollkommen die Kontrolle über sich zu verlieren. Dies trifft vor allem ihren Ex-Mann Tom und dessen neue Frau Anna, die sie volltrunken stalkt und belästigt. Meist sorgen Filmrisse dafür, dass sie sich an ihre Ausfälle nicht mehr erinnert.

„Jess“ verschwindet

Im morgendlichen Katzenjammer fixiert sie sich mehr und mehr auf „Jess“ und „Jason“. Für Rachel bricht eine Welt zusammen, als sie „Jess“ mit einem Fremden inflagranti beobachtet.

Einige Tage später liest sie in der Zeitung, dass ihre „Jess“ eigentlich Megan heißt und seit einigen Tagen verschwunden ist. Rachel ahnt Böses: Sie ist sicher, dass der Fremde dahinter steckt.

Paula Hawkins kombiniert im Roman die Ich-Perspektiven von drei Personen mit verschiedenen Zeitebenen. Zunächst erzählt Rachel den Beginn ihrer Geschichte, dann „Jess“ ihre Erlebnisse und schließlich kommt Toms neue Lebensgefährtin Anna zu Wort. Dabei hat Paula Hawkins die Phasen der drei Erzählungen geschickt miteinander verwoben. Rachel etwa berichtet von ihren Erlebnissen bis zum Verschwinden von „Jess“. „Jess“ und Anna dagegen erzählen jeweils zeitversetzt ihre Vorgeschichte zu Rachels Erlebnissen, was am Ende zur überraschenden Auflösung des Plots führt.

Einer der intelligentesten Thriller der letzten Jahre

Fazit: Paula Hawkins hat mit Girl on the train einen der am intelligentesten aufgebauten Thriller der letzten Jahre abgeliefert. Aber man muss eben die Charaktere mögen, und die machen es dem Leser nicht leicht. Rachel ist Vollalkoholikerin in fortgeschrittenem Stadium und nervt mit ihren ständigen Totalausfällen. „Jess“, die sich als die später verschollene Megan entpuppt, ist keine Traumfrau, sondern notorische Fremdgängerin. Anna zerrt dagegen mit ihrer besitzergreifenden Matronen-Art. Darauf muss man sich einlassen, da die an sich gut konstruierte Handlung da und dort arg durch innere Reflexionen in die Länge gezogen wird.

Erfrischend ungewöhnlich ist der Aufbau dieses Beziehungsdramas. Damit wird Girl on the train lesenswert für Fans von Titeln wie Gone Girl Gone.

Girl on the train ist bei Blanvalet erschienen (448 Seiten, 12,99 € broschiert, 9,99€ E-Book).

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