Jonathan Safran Foer: „Ich habe mich dem Leben gewidmet, nicht der Schriftstellerei“

Jonathan Safran Foer, Hier bin ich, Lesungen
Foto: Jeff Mermelstein

Mit Hier bin ich hat Jonathan Safran Foer nach über zehn Jahren wieder einen Roman veröffentlicht. Im Interview verrät der Bestseller-Autor, dass ihn sein Leben am Schreiben gehindert hat.

Jonathan Safran Foer gilt seit Alles ist erleuchtet und Extrem laut und unglaublich nah als einer der Stars in der Literaturszene schlechthin. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – hat sich Foer mehr als zehn Jahre Zeit gelassen, um seinen neuen Roman Hier bin ich zu veröffentlichen. och es handelte sich nicht etwa um eine zehnjährige Schreibphase, sondern um eine bewusste Schaffenspause, wie der Autor gegenüber The Bookseller verrät.

Schaffenspause für Jonathan Safran Foer

„Ich habe mich dem Leben gewidmet, wirklich nicht der Schriftstellerei“, erklärt Jonathan Safran Foer, der in der letzten Dekade überraschend das Sachbuch „Tiere essen“ veröffentlicht hatte.

Zwischen Extrem laut und unglaublich nah und der Gegenwart liegt seine Hochzeit mit der Autorin Nicole Krauss, die Geburt zweier Söhne und die Scheidung von Krauss. Dennoch will Foer Hier bin ich weder als autobiografischen Roman noch als Erweiterung seines schriftstellerischen Fokus verstanden wissen.

Menschliche Entwicklung

„Es war keine literarische Entscheidung“, sagt Jonathan Safran Foer. „Ich bin zu einem anderen Autor geworden, weil ich ein anderer Mensch geworden bin. Meine Sorgen waren ganz andere, die Dinge, die mir wichtig waren. Es überrascht mich selbst auf bestimmte Weise, wie sich meine Instinkte als Autor verändert haben: Die Dinge, auf die ich am meisten stolz bin im Buch sind Dinge, hätte ich nicht nur fünf oder zehn Jahre vorher nicht geschrieben. Wahrscheinlich hätte ich sie sogar als literarisch nicht sonderlich signifikant hinausgeworfen.“

Ein Buch über Beziehungen, nicht über das Judentum

Die Story von Hier bin ich: Das jüdisch-amerikanische Ehepaar Julia und Jacob Bloch hat drei heranwachsende Söhne und viele Probleme. Da will der hochbetagte Großvater nicht ins Altersheim und der älteste Sohn droht von der Schule zu fliegen, wo doch dessen Bar Mitzwah Fest vor versammelter Verwandtschaft ansteht.

Julia und Jacob haben sich längst voneinander entfernt. Doch die Ehe gerät in Gefahr, als Julia entdeckt, dass ihr Mann eine virtuelle Chatbeziehung führt.Doch dann spitzt sich die Lage in Israel nach einem katastrophalen Erdbeben zu. Der internationale politische Konflikt trifft auch die Familie Bloch.

Hier bin ich ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen (688 Seiten, 26€ gebunden, 22,99€ E-Book).

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