Andreas Gruber: Todesmärchen

Mit “Todesmärchen” hat Andreas Gruber den dritten Thriller rund um das Ermittlerduo Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez auf den Markt gebracht. Um es vorwegzunehmen: Der Mix aus Shutter Island und Dr. House macht schrecklich Spaß.

“Todesmärchen” nach Hans Christian Andersen

Andreas Gruber lässt in “Todesmärchen” zum dritten Mal sein Ermittlerduo Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez auf irre Psychopathen los. Diesmal geht es wieder mal um symbolträchtige und entsprechend grausige Leichenfunde. So wird eine Frau in Bern an ihrem Haarschopf grausig entstellt von einer Brücke gehängt.

Oder aber ein Opfer wird mit zerschmetterten Beinen in einen hohlen Baumstumpf im Wald gesteckt und bei lebendigem Leib abgefackelt. Der Fantasie des Täters scheint also wenig Grenzen gesetzt.

Dr. House is in the house

Maarten S. Sneijder, niederländischer Profiler, und Sabine Nemez vom Kriminaldauerdienst, nehmen sich des Falls an. Jedes Opfer trägt ein eingeritztes Zeichen auf der Haut, und irgendwann liefert Nemez die Lösung: Der Täter stellt offenbar Szenen aus Märchen von Hans Christian Andersen nach.

Maarten S. Sneijder, der gegen seine Cluster-Kopfschmerzen kifft, Bücher klaut und ansonsten den Zyniker im besten Dr-House-Stil gibt, sieht auffällige Parallelen zu den Morden von Piet van Loon. Den hat Sneijder aber schon vor Jahren eigenhändig hinter Gitter gebracht. Seither fristet der hochintelligente Killer sein Dasein auf einer Gefängnisinsel in der Flensburger Bucht; einer Art norddeutschem Alcatraz, das Psychopathen und neurotische Killer beherbergt.

Sneijder und Nemez geraten immer mehr unter Druck, denn die Zahl der Leichen steigt kontinuierlich: Mit wachsender Unruhe dämmert es dem Ermittlerduo, wie viele Märchen aus der Feder des dänischen Erzählers überhaupt stammen.

Fazit: Irgendwie hat man alles irgendwo schon mal gelesen, was Andreas Gruber in “Todesmärchen” einsetzt. Da gibt Marten S. Sneijder den Dr. House, während Sabine Nemez die Clearence Starling markiert. Über alledem thront der böse Killer mit Hannibal-Lecter-Attitüde auf einer Gefängnisinsel im “Shutter Island”-Style. Dazu gibt´s dann, nicht zu vergessen, noch die böse Oberärztin und jede Menge Irre aus “Einer flog übers Kuckucksnest”. Entscheidend ist jedoch, wie gekonnt der Autor die bekannten Motive miteinander kombiniert. Von der ersten bis zur letzten Seite jongliert er mit einem faszinierenden Ensemble an Mördern und Gesetzeshütern, Psychopathen und Cops. Dass ihm dann noch ein überraschendes Finale gelingt, zeichnet die Klasse von Andreas Gruber aus. Alleine schon wegen der so stark überzeichneten Charaktere und der sich daraus ergebenden schlagfertigen Dialoge ist “Todesmärchen” einer der bislang besten Gruber-Thriller.

“Todesmärchen” ist beim Goldmann Verlag erschienen (544 Seiten 9,99 € broschiert, 8,99 € E-Book).

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