Veit Etzold: Skin

Veit Etzold hat mit „Skin“ diesmal keinen Thriller um Psychopaten-Jägerin Clara Vidalis vorgelegt, sondern startet mit einem neuen Ermittlerteam in einen verstörenden Fall.

Zunächst führt Etzold den Leser in die Yuppie-Welt von Christian König ein. König lebt das typische Leben eines Hochschulabsolventen, der in einer Unternehmensberatung durchstarten will. Da ist das Meilen-Konto ebenso wichtig wie der Firmen-Blackberry oder die Lufthansa-Lounge. Christian König lebt, wie viele andere Berater, aus dem Koffer. Hinter dem dicken Gehaltsscheck am Ende des Monats steht aber ständige Existenzangst und ein mörderischer Leistungsdruck. Selbst eine kleine Unaufmerksamkeit in einer Kunden-Präsentation kann die Karriere kosten.

Blumenstrauß und Notlügen

Schlaf und Freundin Nicole kommen zu kurz – so greift Christian bei ersterem Problem nach durchgearbeiteten Nächten zu Aufputschmitteln. Bei der Freundin halten Versöhnungs-Blumenstrauß und Notlügen her, in die er sich immer weiter verstrickt. Doch eines Tages erhält Christian eine SMS: Jemand hat ihm einen Schlüssel von einem Schließfach in den Mantel gesteckt.

Ein unbekannter Erpresser

Dort findet er etwas, was er für die abgezogene Haut einer Hand hält. In Panik flüchtet er – und traut sich doch zunächst nicht zur Polizei, um nicht in ein Verbrechen mit hineingezogen zu werden. Doch die anonymen Nachrichten nehmen kein Ende, im Gegenteil. Tage später erhält Christian in seiner Firma einen Link zu einem Video, das eine verwesende Wasserleiche zeigt.

Jetzt schaltet er doch die Polizei ein, die jedoch Unerfreuliches ermittelt. Die E-Mail stammt von Christians eigenem E-Mail-Account und er selbst kennt die Leiche. Noch dazu erfährt Christians Arbeitgeber, dass er in einen Mordfall verwickelt ist. Und zu dumm, dass sich Christian aus Panik in sein eigenes Lügengebäude verrennt und der Polizei nicht die ganze Wahrheit sagt. Seine einzige Rettung scheint sein Vater, der renommierte Anwalt, zu sein. Doch auch der hütet ein dunkles Geheimnis…

Fazit: Veit Etzold legt ein rasant zu lesendes Verwirrspiel um eine teuflische Erpressung vor, das aber ungewöhnlich beginnt. So lässt sich Etzold rund 100 Seiten Zeit, bis der eigentliche Fall beginnt. Dennoch ist genau dieser Start wichtig für die Geschichte. Die Schilderung des stressigen Yuppie-Lebens, in dem jeder Fehltritt Status oder Karriere kosten kann, ist hervorragend gelungen und kontrastiert perfekt mit der bodenständigen Welt des schnodderigen Hauptkommissars Frank Deckhard.

Der ständige Druck, in dem sich Christian König ohnehin bereits befindet, wird mit der Erpressung zum wahren Alptraum und vergrößert nochmals die Fallhöhe des Helden. Wenn nämlich firmenintern bekannt wird, dass er in eine polizeiliche Ermittlung verwickelt ist, kann er den Job an den Nagel hängen.

So treibt Veit Etzold die Handlung abwechselnd aus Sicht des Opfers und der Ermittler voran, um dann mit einem überraschenden Finale zu schließen. „Skin“ ist ein ungewöhnlicher, gelungener Thriller, den man in drei bis vier Sitzungen gut lesen kann.

„Skin“ ist bei Bastei Lübbe erschienen (416 Seiten, 10,99 € Taschenbuch, 8,99 € E-Book, 15,99 € Hörbuch).

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