Das Literarische Quartett: Um diese Bücher wird im August gestritten

Das Literarische Quartett im August.
Das Literarische Quartett: Das sind die Bücher der August-Sendung. Bild: ZDF

Am 26. August ist die Sommerpause für das Literarische Quartett vorbei: Maxim Biller, Volker Weidermann und Christine Westermann haben Mara Delius, Literaturkritikerin bei „Die Welt“, eingeladen.

Zum Bücherstreit haben die Literaturexperten großteils anerkannte Literatur herangezogen. Mit dabei ist die deutsche Übersetzung von “Meine geniale Freundin” der italienischen Erfolgsautorin Elena Ferrante oder auch der neue Roman der Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Strout.

Das Literarische Quartett: Vom Ferrante-Hype bis zum Pulitzerpreis

Elena Ferrante: “Meine geniale Freundin”

Unter dem Hashtag #ferrantefever ist längst ein Hype um Elena Ferrante ausgebrochen. “Meine geniale Freundin ist dabei der erste von vier Romanen, die die Freundschaft zweier Frauen von Kindheitstagen in den 50er Jahren bis heute beschreibt.

Der erste Band ist ein Coming-of-Age-Roman, der die Kindheit und Jugend von Lila und Elena erzählt. Die ungleichen Freundinnen wachsen in einem rauen Armenviertel von Neapel auf. Hier bekriegen sich Familien seit Generationen, ein Silvesterfeuerwerk kann schon mal in eine Schießerei ausufern. Lila ist die rebellische Schusterstochter; Elena die schüchterne Tochter eines Pförtners, und beide wetteifern darum, die andere zu übertreffen. Doch als Lila von ihrem Vater dazu gezwungen wird, in der Schusterei mitzuarbeiten, trennen sich ihre Wege: Elena studiert und wird Schriftstellerin, während Lila nie aus Neapel herauskommt. Trotzdem bleiben die ungleichen Freundinnen in Kontakt. Sie begleiten einander durch erste Liebesaffären, Ehen und Mutterschaft, und stets bleibt eine zwiespältige Nähe aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalität und Innigkeit.

“Meine geniale Freundin” erscheint am 11. September 2016 beim Suhrkamp Verlag (422 Seiten, 22,- € gebundene Ausgabe, 18,99 € E-Book, MP 3 CD, 16,99 €).

Hang Kan: “Die Vegetarierin”

Immerhin hat sich die südkoreanische Autorin Han Kang mit ihrem Roman “Die Vegetarierin” beim “Man Booker International Prize” unter anderen gegen Elena Ferrante durchgesetzt. Im Buch geht es um die Frau Yeong-Hye, die nach Ansicht ihres Mannes an Durchschnittlichkeit nicht zu übertreffen ist – bis sie beschließt, Vegetarierin zu werden.

Kangs Stil glänzt durch eine faszinierende Lakonie: “Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.”

So ähnlich unaufgeregt gestaltet sich zunächst das Leben der Eheleute: Sie ist eine leidenschaftslose, aber pflichtbewußte Hausfrau. Er geht seinem Bürojob nach. Die eingefahrene Welt der beiden gerät ins Wanken, als Yeong-Hye sämtliche Lebensmittel mit Fleisch aus der Wohnung wirft. In Südkorea gilt dies als rebellischer Akt, doch Yeong-Hyes Vegetarismus nimmt bizarre Formen an: Sie beginnt, von einem Leben als Pflanze zu träumen, bis sich schließlich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

“Die Vegetarierin” ist im Aufbau Verlag erschienen (190 Seiten, 18,95 € gebundene Ausgabe, 14,99 € E-Book).

Emma Cline: “The Girls”

Die vierzehnjährige Evie Boyd leidet unter einem Aufmerksamkeitsdefizit: Weder ihre Freundin noch ihre frisch geschiedenen Eltern interessieren sich wirklich für sie. Doch irgendwann begegnet Evie “The Girls”: Eine Hippie-Kommune, die sich als Sekte rund um den Guru Russel entpuppt und auffällige Parallelen zu Charles Manson hat. Doch Evie interessiert sich weniger für Russell, sondern verfällt der älteren Suzanne. Mit ihr zieht sie zur Sekten-Ranch tief in den Hügeln von Kalifornien liegt. Sie gerät immer tiefer in einen Strudel aus Drogen, Sex und Gewalt. Die Kritiken bei den Amazon-Rezensionen sind breit gefächert: Trotz der hervorragenden 4,1 Sterne finden sich ein großer Anteil an 3-Sterne-Bewertungen.

“The Girls” ist im Hanser Verlag erschienen (352 Seiten, 22,- € gebundene Ausgabe, 16,99 € E-Book, 23,99 € Audio-CD).

Elizabeth Strout: “Die Unvollkommenheit der Liebe”

Pulitzerpreisträgerin Elizabeth Strout erzählt von der Schriftstellerin Lucy Barton, die wegen einer unerklärlichen, lebensbedrohenden Infektion ins Krankenhaus muss. Der Routineeingriff verzögert sich, und als Lucy aufwacht, sitzt ihre Mutter an ihrem Bett. Zunächst ist sie überglücklich, da sie ihre Mutter seit Jahren nicht mehr gesehen hat.
Während ihre Mutter jedoch Geschichten aus der alten Heimat, einem Kaff in Illinois erzählt, kommen bei Lucy alte, bittere Erinnerungen wieder hoch. Die bettelarme Kindheit, die Schwierigkeiten in der Familie, der Mangel an Zärtlichkeit und Zuneigung. Und auch heute kommt sich Lucy in New York fremd vor. Ihre Ehe mit einem Mann aus behüteten Elternhaus ist von tiefen Abgründen durchzogen.

“Die Unvollkommenheit der Liebe” erscheint am 29. August bei Luchterhand (208 Seiten, 18,- € gebundene Ausgabe, 13,99 € E-Book).

Das Literarische Quartett wird am 26. August 2016 um 23:35 Uhr im ZDF gesendet.

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