Andreas Föhr: Eisenberg

Andreas Föhrs neue Heldin Rachel Eisenberg steckt schon zu Beginn des Romans tief im Schlamassel. Mit Panzerband gefesselt, schaut sie dem sicheren Foltertod ins Auge.

Doch der Autor umreißt mit wenigen Worten Eisenbergs namensgleichen Charakter: “Sie wollte nicht sterben. Nicht so. Nicht, ohne irgendetwas versucht zu haben.”

Die Probleme der taffen Anwältin scheinen dagegen in der Rückschau eher profan. So teilt sich Eisenberg immer noch die Kanzlei mit ihrem Ex-Mann und muss so manches Leid mit ihrer 15jährigen Tochter ertragen, sich aber auch als schlecht bezahlte Pflichtverteidigerin verdingen. Wenigstens düfte ein des Mordes beschuldigter Obdachloser ein wenig Medienwirbel bringen, so hofft Eisenberg.

Déja vu im Verhörraum

Als sie dem Verdächtigen das erste Mal gegenüber sitzt, glaubt sie ihren Augen nicht zu trauen: Es handelt sich um niemand anderen als ihre Jugendliebe Heiko Gerlach. Mit neuem Elan und von Gerlachs Unschuld überzeugt, findet sie bald heraus, dass die ermordete Albanerin nicht dem Obdachlosen, sondern einer Blutrache-Fehde zum Opfer gefallen ist. Dieses Wissen bringt Rachel Eisenberg immer weiter in Gefahr.

Fazit: Andreas Föhr versteht es einfach, ein aus zahlreichen, nicht zusammen gehörend erscheinenden Einzelszenen und Handlungen ein vielteiliges, geschickt komponiertes Puztzel zu konstruieren. Dabei löst er weitgehend logisch auf und sorgt insbesondere im hinteren Drittel des Romans für einige überraschende Pointen und ein zufriedenstellendes Ende. Die Konzeption der taffen, allein erziehenden Ermittlerin in Gestalt von Anwältin Eisenberg mag nicht neu sein. Dennoch gelingt es dem Autor, die Heldin durch reichlich Münchner Lokalkolorit glaubwürdig erscheinen zu lassen. Ein gelungenes Debut für Rachel Eisenberg und erneut ein empfehlenswerter Krimi!

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