Joy Fielding: Die Schwester

Joy Fieldings Interpretation des Falles “Maddy” erweist sich als spannender Thriller mit vielen falschen Fährten und überraschendem Tiefgang.

Joy Fielding hat sich bei ihrem Roman “Die Schwester” deutlich am Fall um die verschwundene Maddie orientiert. Caroline und Hunter urlauben mit den zwei und fünf Jahre alten Töchtern Samantha und Michele in Mexiko. Das Ehepaar will sich aber einen besonderen Abend zu zweit nicht vermiesen lassen, als die bestellte Babysitterin nicht auftaucht. Sie beschließen, abwechselnd nach den Kindern zu sehen. Doch plötzlich ist Samantha verschwunden – auch eine großangelegte Suche verläuft ergebnislos. Voller Verzweiflung schalten die beiden die Presse ein, die aber am Ende insbesondere Caroline Verletzung der Aufsichtspflicht unterschieben.

Schließlich scheitert sogar die Ehe von Caroline und Hunter und Caroline ist trotz neuer Familie eine gebrochene Frau. Bis sich auf den Tag genau 15 Jahre ihre Tochter meldet. Aber: Ist diese junge Frau am Telefon wirklich ihre Tochter?

Fazit: Es ist immer wieder ein Genuss, sich von Joy Fielding in eine Geschichte schwemmen zu lassen. So erwartet den Leser keine chronologische Schilderung der Ereignisse. Vielmehr setzt die Geschichte 15 Jahre nach dem Verschwinden von Samantha an und Fielding versteht es meisterhaft, den Leser auf wenigen Seiten unaufdringlich von Carolines Lebenssituation und ihrer Vergangenheit in Kenntnis zu setzen. So legt sie kunstvoll zahlreiche falsche Fährten, bis bald jeder ein Interesse an Samanthas Verschwinden gehabt haben könnte, löst die Geschichte dann aber intelligent auf. Besonders gelungen: Das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Caroline und ihrer “übrig” gebliebenen Tochter Michelle. Ein starker Thriller mit Nachgang!

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