Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

Der fünfte Fall für Kommissar Dupin ist wieder mal spannend. Doch kann sich der neue Fall an Bannalecs Meisterwerk “Bretonischer Stolz” messen?

Jean Luc Bannalec, das ist längst bekannt, ist ein unter Pseudonym schreibender, frankophiler Deutscher, der zeitweise in der Bretagne weilt und sich intime Ortskenntnisse angeeignet hat. Dies wurde bereits bei Jean-Luc Bannalecs Erstlingswerk “Bretonische Verhältnisse” im Jahre 2012 deutlich. Nicht nur authentische Naturschilderungen, sondern auch bretonische Mythen und Legenden werden angerissen und in die Handlung verwoben. Seither sind vier weitere Bände rund um den kantigen bretonischen Kommissar Dupin erschienen, mit wechselnder Qualität.

Bretonische Spannung garantiert

So begeisterten “Bretonische Verhältnisse” und der Nachfolger “Bretonische Brandung” teilweise sogar die Literaturkritiker. Der dritte Dupin “Bretonisches Gold” fiel dagegen zu langatmig aus. Doch Jean-Luc Bannalec hatte offenbar nur Atem geholt, um im vergangenen Jahr mit “Bretonischer Stolz” den bislang besten Teil der Serie vorzulegen.

In seinem neuesten Fall geht es ausgerechnet für den wasserscheuen Kommissar Dupin viel zu nah ans feuchte Element: Nach dem Fund einer Frauenleiche in der Fischauktionshalle muss der Ermittler auf der Insel Sein zu Werke gehen. Über die Tote ist wenig bekannt, eine Einzelgängerin, eine der wenigen Frauen unter den Fischern. Erst als mit einer Meeresforscherin und einem alten Virologen zwei weitere Opfer zu beklagen sind, ahnt Dupin ein Muster: Allen dreien wurde die Kehle durchgeschnitten.

Mehr Reiseführer als Krimi

Wie üblich, lässt Jean Luc Bannalec über die Stichwortgeber reichlich Lokalkolorit aufblitzen: So erfährt der Leser interessante Hintergründe zu bretonischen Sitten und Gebräuchen, aber auch zur Ökologie des ölpestgebeutelten Küstenstreifens.

Fazit: Natürlich liegt bei Kommissar Dupin der Reiz in dessen Persönlichkeit selbst und dessen Umfeld – das ist ja auch das, was Commissario Brunetti oder einen Wallander ausmacht. In “Bretonische Flut” wird der Leser aber phasenweise mit touristischen Informationen überversorgt. Soviel Mythos, Landschaftsbild, Ökologie und Lokalkolorit verträgt nicht mal ein Kommissar Dupin. So wirkt der Schluss gezwungen – mehr Logik, weniger Mythos hätte dem Ausklang gut getan. Sicherlich ist “Bretonische Flut” nicht das Meisterstück von Jean-Luc Bannalec. Dennoch: Auch im fünften Fall bietet Kommissar Dupin beste Unterhaltung für Fans des kantigen Ermittlers.

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