Horror-Filme: Welche Bücher lohnen sich?

Längst laufen die Grusel-Klassiker “Rosemaries Baby”, “Der Exorzist”, “Der weiße Hai” oder “Psycho” auch im Spätprogramm. Alle vier Filme wurden recht nah an den Romanen verfilmt, doch können ein paar Zeilen etwa mit der Bildgewaltigkeit einer vom Satan besessenen Linda Blair oder eines auftauchenden Killer-Hais mithalten? Das geht durchaus, und diese vier Romane sollten in keiner Sammlung eines Horror-Fans fehlen.

Ira Levin: “Rosemaries Baby”

Der von Roman Polanski meisterhaft inszenierte Film mit Mia Farrow in der Hauptrolle hält sich eng an den Bestseller des US-Schriftstellers Ira Levin. Guy und Rosemary Woodhouse finden endlich ihre Traumwohnung im New Yorker Stadtteil Bramford: Das altehrwürdige Haus gehört zu den besten Adressen der Stadt. Guy geht seinem Beruf als Schauspieler nach, während Rosemarie die Wohnung einrichtet. Bald werden die Nachbarn, mysteriöse ältere Ehepaare und seltsame Besucher, immer freundlicher, aber auch immer aufdringlicher. Während Guy sich mehr und mehr mit ihnen anfreundet, bleiben Rosemarie die Riten der Nachbarn suspekt. Sie meint, nachts Gesänge aus der Nachbarwohnung zu hören und hat wirre Vergewaltigungsträume. Als Rosemarie feststellt, dass sie schwanger ist, fängt der Horror erst an.

Fazit: “Rosemaries Baby” ist immer noch zeitgemäß und spannend, gibt dem Leser aber nicht viel mehr Inhalt im Sinne innerer Reflektionen der Charaktere oder anderer Handlungsstränge. Im direkten Vergleich zum treibenden Stil modernerer Autoren wie etwa Stephen King oder auch Clive Barker bleibt “Rosemaries Baby” zurück. Echte Genre-Fans sollten sich den nur rund 120 Seiten starken Horror-Trip jedoch nicht entgehen lassen.

William Blatty: “Der Exorzist”

Das Buch von William Blatty ist zwar bereits 1972 erschienen, wirkt aber auch durch die neue Übersetzung von Bastei Lübbe aktuell wie immer. Als E-Book kostet das Buch derzeit nur 5,99 €; vom Taschenbuch sind nur noch Restbestände lieferbar. Die Geschichte verläuft dabei weitgehend analog zum Film. Zunächst nimmt sich Schauspielerin Chris MacNeil nicht wirklich zu Herzen, dass ihre Tochter Reagan sich einen imaginären Freund namens Captain Howdy zulegt. Doch Captain Howdy ist nur der Vorbote eines Dämonen, der von Reagan Besitz ergreifen soll. Aus dem entzückenden Mädchen wird eine rasende Furie, die Obzönitäten von sich gibt und tobt. Nachdem Reagan auch noch ihr unbekannte Sprachen spricht wendet sich Chris MacNeil in letzter Verzweiflung an die Jesuitenpater Damien Karras und Joseph Dyer. mittlerweile ist sie sicher, dass Reagan vom Satan befallen ist.

Fazit: “Der Exorzist” ist eine unbedingte Empfehlung für alle Horror-Fans. Im Gegensatz zum Film wird die Krankheitsgeschichte von Reagan viel detaillierter aufgeschlüsselt. So vergehen gut 100 Seiten, bis die beiden Jesuiten auf den Plan treten und den Exorzismus überhaupt erst ins Auge fassen. Obwohl dem Leser das Ende klar sein dürfte, ist “Der Exorzist” sowohl für Film-Fans als auch losgelöst davon ein hervorragender Horror-Roman.

Robert Bloch: “Psycho”

Kaum ein Film ist so sehr mit dem Namen Alfred Hitchcock verbunden wie “Psycho”: Mit dem Thriller hatte der Hollywood-Altmeister eine ganz neue Filmgattung geschaffen. Doch Autor Robert Bloch hat mit “Psycho” einen kurzen, intensiven Thriller geliefert, der auch ohne den Hitchcock-Film bestehen kann.
Die Rahmenhandlung von “Psycho” dürfte währenddessen allgemein bekannt sein: Die junge Mary Crane hat ihren Chef betrogen und ist mit 40.000 Dollar durchgebrannt. Auf dem Weg ins Städtchen Fairvale, wo Mary ihren Verlobten treffen will, verfährt sie sich ausgerechnet in Bates´ Motel, wo der Wahnsinn in Form von Norman Bates lauert.

Fazit: Absolut erstaunlich, wie viel packenden Psycho-Horror Robert Bloch in sein nur knapp 200 Seiten dickes Buch gepackt hat. Und im Buch ist Norman Bates tatsächlich eine ganze Ecke böser und widerwärtiger. Anders als im Film erlebt man den Mörder nicht etwa als zappeligen Anthony Perkins, sondern als dicklichen Mittvierziger mit schütterem Haar. Der wirrt sich in einer Art und Weise in Zwiegespräche mit seiner Mutter ein, wie es im Film schwer darstellbar ist. “Psycho” ist als Roman noch böser, noch abgründiger und noch schockierender – unbedingter Lesetipp!

Peter Benchley: “Der weiße Hai”

Spielbergs Film-Sensation “Der weiße Hai” bestand inhaltlich…nun ja, aus einem menschenfressenden weißen Hai, der Thrill im Wesentlichen aus damals recht aufwändigen Special Effects. So bietet das Buch von Peter Benchley eine ganze Menge mehr Handlungsstränge und mehr menschliche Verwicklungen. Derzeit ist lediglich die aufwändige, gebundene Ausgabe aus dem kmilena Verlag erhältlich. Die hat mit 23,90 € zwar ihren Preis, aber Fans von Tier-Horror kommen kaum an dem Roman von Peter Benchley vorbei.
Im fiktiven Badeort Amity auf Long Island wird eine Touristin von einem weißen Hai getötet. Police Chief Martin Brody will die Strände schließen, doch Bürgermeister Larry Vaughan und der Stadtrat sehen den Tourismus gefährdet. Nachdem die Sache heruntergespielt wurde, wird der Strand wieder geöffnet und der weiße Hai schlägt erneut zu. Nach dem Tod eines alten Mannes und eines Jungen zieht Hai-Jäger Ben Gardner aus, um das Monster zu erlegen. Doch Brody findet nur noch das Wrack von Gardners Kutter, in dem ein riesiger Hai-Zahn steckt. Schließlich machen sich der Polizeichef, der Ichthyologen Matt Hooper und der Reporter Harry Maedows auf, um den Hai endgültig zu erlegen.

Fazit: “Der weiße Hai” bietet noch viel mehr als die Filmgeschichte. Peter Benchley versteht es meisterhaft, das Auftauchen des Hais bis zur Grenze des Unerträglichen hinauszuzögern. Insbesondere das Verhältnis zwischen Brodys Frau und Hooper machen die drei Männer im Boot zu einem noch ungleicheren Trio. Spannend bis zum Schluss!

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