Marc Elsberg: Blackout

Marc Elsberg, Blackout, Rezension
Foto: Blanvalet

Seit Monaten steht “Blackout – Morgen ist es zu spät” von Marc Elsberg ganz oben auf den Bestsellerlisten. Tatsächlich ist dem Österreicher ein überragender Katastrophen-Roman gelungen; quasi eine Zombie-Apokalypse ohne Untote.

Als Hacker Piero Manzano bei einem Stromausfall mit seinem Alfa in einen LKW kracht, ahnt er nicht, dass dies nur der Vorbote zu einem noch größeren Unheil ist. In den Kraftwerken in ganz Europa herrscht nämlich Panik: Unerklärliche Spannungsspitzen und Totalausfälle wechseln sich in rascher Folge ab, so dass bald halb Europa ohne Strom dasteht. Allerdings ist elektrisches Licht bald das geringste Problem für die Menschen. Elsberg wechselt stets schnell zwischen verschiedenen Brennpunkten der Katastrophe und schildert das Unheil aus verschiedenen Perspektiven von Menschen, deren Wege sich durch den Stromausfall irgendwann kreuzen.

Katastrophe jenseits der Vorstellungskraft

Gerade durch die verschiedenen Handlungsstränge wird das Ausmaß der Katastrophe fühlbar: Da verderben tonnenweise Lebensmittel, Kühe drohen mangels Melkmaschinen zu verenden, Tankstellen sind außer Betrieb und eine geordnete Kommunikation über Handy und Internet bricht zusammen.

Ausgerechnet Piero Manzano erkennt, dass es sich ganz offensichtlich nicht um einen weitreichenden technischen Defekt handelt, sondern um einen gezielten Anschlag.

Fazit: Schon in den ersten Seiten wird klar, dass Marc Elsberg keinen billigen Schocker fabrizieren wollte. Die Zusammenhänge in der Energiewirtschaft und vor allem deren Verwundbarkeit sind in die Tiefe recherchiert und verleihen “Blackout” eine Dramatik, die am ehesten mit “Der Schwarm” von Frank Schätzing vergleichbar ist. Allerdings sind 800 Seiten schlicht zu viel: In der Mitte droht sich der Autor etwas zu sehr in Nebenhandlungen zu verstricken. Die phasenweisen Durchhänger werden allerdings durch ein spannendes und durchaus denkbares Finale mehr als wettgemacht. Wenn Sie immer unschlüssig an “Blackout” vorbeigegangen sind, sollten Sie langsam mal zuschlagen – sonst entgeht Ihnen einer der besten Katastrophenthriller der letzten Jahre.

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