Stephen King: Basar der bösen Träume

“Basar der böse Träume” von Stephen King klingt schon einmal vielversprechend: Vom Meister des Horrors liegt eine Kurzgeschichtensammlung vor, deren Stories abgesehen von “UR”, “Mile 81” und “Böser kleiner Junge” noch nie auf Deutsch veröffentlicht wurden.

Dabei hat Stephen King in “Basar der bösen Träume” mehr zu bieten als unheimliche Begegnungen und übernatürliche Phänomene. Spätestens seit “Joyland” oder “Der Anschlag” ist klar, dass King auch andere Geschichten meisterhaft erzählen kann.

Basar der bösen Träume mit vielen Killern, wenig Füllern

Vor allem rückt aber Kings zunehmende Reflektion über das Älterwerden und den Tod in den Fokus, so dass der eine oder andere Schockeffekt einer gut konstruierten Geschichte weicht. Skurril sind die Stories allemal, und King probiert sich auch in neuen Darstellungsformen aus. So erzählt ein ehemaliger Baseball- Trainer dem Journalisten Stephen King den mysteriösen Aufstieg und Fall des Baseball-Stars “Blockade Billy”.  Oder aber man erlebt Stephen King in “Die Knochenkirche” mit einem seiner wenigen Gedichte als Poet.

Zu den Highlights der Sammlung zählt sicherlich das amüsante “Feuerwerksrausch”: Alden McCausland ist vom Glück gesegnet. Er hat nicht nur geerbt, sondern auch noch in der Lotterie gewonnen, was ihm mit seiner Mutter ein sorgenfreies Leben im Haus am Lake Abenaki ermöglichen würde. Ärgerlich nur, dass die noch viel reicheren Massimos auf der anderen Seite des Sees jedes Jahr zum Unabhängigkeitstag ein größeres Feuerwerk abfackeln als die McCauslands. Das will Alden nicht auf sich sitzen lassen. Ein Wettrüsten beginnt – mit dramatischen Folgen.

Erstaunliche Perlen im Fundus von Stephen King

Mysteriöser kommt die Story “Nachrufe” daher: Mike Anderson schreibt für das Online-Portal New Circus provokante, aber unterhaltsam zu lesende Nachrufe auf Prominente. Trotz seines steigenden Ruhms verweigert ihm Chefredakteurin Jeroma Whitfield eine Gehaltserhöhung. Voller Frust verfasst Mike Anderson einen besonders niederträchtigen Nachruf auf seine Vorgesetzte – und die stirbt prompt wie von ihm beschrieben…

Fazit: Kurzgeschichtensammlungen sind immer so eine Sache, vor allem, wenn man es mit einem Autoren mit einer solch langen Schaffensphase zu tun hat wie bei Stephen King. Es ist dennoch erstaunlich, welche Perlen sich im Fundus des Autors so angesammelt haben. Fast liest sich “Basar der bösen Träume” wie eine Staffel der klassischen TV-Serie “Unglaubliche Geschichten” oder “Twilight Zone”: Immer auf hohem Niveau, wenn auch nicht immer brillant, unterhält King mit äußerst abwechslungsreichen Themen und Einfällen. “UR”, “Mile 81” und “Böser kleiner Junge” gehören zu den stärkeren Stories im Buch – wer die noch nicht kennt, sollte ohnehin zugreifen. Aber auch die meisten anderen Geschichten garantieren stundenlanges Lesevergnügen. Lediglich die Gedichte “Tommy” und “Die Knochenkirche”, die aus dem Ende der 60er Jahre stammen, sind überflüssig. Für Fans, die King nur auf Deutsch lesen, ist “Basar der bösen Träume” auf jeden Fall Pflichtlektüre.    

“Basar der bösen Träume” ist bei Heyne erschienen (768 Seiten, 12,99 € Taschenbuch, 22,99 € gebunden, 18,99 € E-Book).

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