Judith Lennox: Die Frau des Juweliers

Judith Lennox legt mit „Die Frau des Juweliers“ bereits ihren 18. Roman beim Piper Verlag auf Deutsch vor. Fans des stimmungsvollen Familienromans dürfen sich freuen.

Judith Lennox versorgt ihre Fans seit Jahren mit epischen Erzählungen vor historischem Hintergrund. Sicherlich eine leichte Unterhaltungslektüre, die jedoch stets mit einem breiten Ensemble an Figuren farbenfroh inszeniert wird. Dies gelingt Judith Lennox auch in „Die Frau des Juweliers“, in der eine junge Engländerin in den 30er Jahren eine schicksalsvolle Verbindung eingeht.

Die 17jährige Juliet wächst mit ihrem Vater, einem Botschaftsangestellten, in wohlhabenden Verhältnissen in Kairo auf. Doch ihr Vater wird krank und stirbt schließlich. Juliet muss alles verkaufen, um die Schulden zu bezahlen. Als sie voller Verzweiflung eine letzte wertvolle Perlenkette bei einem windigen ägyptischen Juwelenhändler losschlagen muss, bietet ihr ein eleganter englischer Gentleman den dreifachen Preis und bewahrt sie davor, geprellt zu werden.

Retter in der Not

Der Retter in den besten Jahren stellt sich als Henry Winterton vor, ein wohlhabender Juwelenhändler aus London. In einer Zeit, in der gesellschaftlicher Aufstieg und soziale Sicherheit mehr zählen als Gefühle, macht ihr Winterton schon bald einen Heiratsantrag. Juliet lockt die Aussicht auf ein glückliches Familienleben auf Marsh Court, dem Landsitz der Wintertons im englischen Essex. Gegen ihre Zweifel willigt sie ein, und hofft, dass sich die große Liebe schon noch einstellen würde.

Doch Henry Winterton erweist sich als jähzorniger Ehemann, der jeden Anlass zum Streit gerne annimmt. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, bessert sich die Lage für die Wintertons als Juwelenhändler freilich nicht. Juliet hofft, dass sich die Situation durch die Geburt von Sohn Piers und Tochter Charley ändert. Doch je älter Piers wird, desto mehr streitet er sich mit dem eigenen Vater – erst recht, als er nach seinem Schulabschluss zusammen mit seinem Cousin Aidan ins väterliche Juweliergeschäft einsteigen soll.

Die Frau des Juweliers wird untreu

Der einzige, der Henry Wintertons Streitlust mit Charme und Amusement gegenüber steht, ist dessen bester Freund Gilles. Ausgerechnet mit dem lebenslustigen Londoner Geschäftsmann beginnt Juliet, die mittlerweile keinen Glauben mehr an ihre Ehe hat, eine Affäre. Doch Gilles ist nicht nur verheiratet, sondern pflegt heimlich auch noch eine andere Affäre mit einer Frau, die mit Gilles´ unehelichen Kindern auf einer Landzunge lebt – und zwar ausgerechnet in der Nähe von Marsh Court.

Henry Winterton selbst ist jedoch in den Ehejahren auch kein Kind von Traurigkeit gewesen, wie Juliet schließlich erkennen muss. Und bald sieht sie, dass ihre Ehe ein einziger Fehler gewesen war: Henry stirbt überraschend, rächt sich aber grausam an allen, die er über die Jahre hassen gelernt hat. So verliert Juliet ihr über alles geliebte Heim Marsh Court und erbt als letzte Erniedrigung von Henry nur das Gästehaus. Der verhasste Sohn Piers dagegen darf nicht wie erwartet die Geschäfte des Juwelierunternehmens übernehmen. Statt dessen wird der sensible Cousin Aidan eingesetzt. Die einst unerschütterliche Freundschaft der beiden wird zur tiefen Rivalität.

Judith Lennox in Bestform

Fazit: Judith Lennox liefert mit „Die Frau des Juweliers“ ein bildgewaltiges Familieneops über zwei Generationen hinweg. Die Autorin verknüpft die geschichtlichen Ereignisse der Epochen beginnend mit den 30er Jahren nicht so eng an die Handlung wie etwa ein Ken Follett. Dafür nutzt sie die Konventionen der Zeit, in der nicht unbedingt aus Liebe, sondern aus sozialen Gründen geheiratet wurde, für ein immerwährendes Wechselspiel aus Liebe, Verrat und Leidenschaft. Auf diesem Parkett wird gelitten und gelogen, intrigiert und geschmachtet. Der Roman lebt dabei nicht von einer sich stets überstürzenden Handlung, sondern von durchaus glaubwürdig modellierten Charakteren, die im gegenseitigen Spiel immer Konfliktpotenzial liefern. Judith Lennox beweist mit „Die Frau des Juweliers“ wieder mal Bestform. Ein guter Tipp für Fans epischer Familienromane mit historischem Hintergrund!

„Die Frau des Juweliers“ ist beim Piper Verlag erschienen (528 Seiten, 120 € gebunden, 16,99 € E-Book, 15,99 € Audio-CD).

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