Lars Simon: Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

Lars Simon hat sich bereits eine treue Fangemeinde mit Titeln wie „Elchscheiße“ oder „Kaimankacke“ aufgebaut. Mit „Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen“ liefert Simon jetzt nicht nur den längsten Buchtitel seiner Laufbahn, sondern auch sein bisher lustigstes Werk.

Nichts ist wie es scheint

Lennart Malmkvist steht am Beginn einer steilen Karriere. Die schwedische Firma HIC AB hält große Stücke auf ihn. Eine entscheidende Präsentation vor einem wichtigen Großkunden soll ihm ein Abendessen mit dem Firmenchef selbst einbringen und nebenbei natürlich völlig neue Karriereoptionen eröffnen.

Sein greiser Nachbar Buri Bohmen führt währenddessen einen skurrilen Zauber- und Scherzartikelladen mit allerlei Krimskrams, einer kichernden Hexe als Türklingel und dem Mops Bölthorn als lebendes Inventar. Womit der Alte eigentlich sein Geld verdient, wird Lennart nicht ganz klar. Obwohl Buris Laden in einer der teuersten Gegenden von Göteborg liegt, scheint er nur wenige Kunden zu haben. Meistens beobachtet Lennert ihn, wie er Kleinode, Artefakte und Zauberzubehör sortiert.

Lennart Malmkvist erbt eine riesige Verantwortung

Doch Buri Bohmen wird eines Nachts aus dem Leben gerissen. In seinem Scherzartikelladen findet die Polizei keine Leiche, sondern nur noch die Asche von Buri. Und seinen Finger, an dem noch ein geheimnisvoller Ring steckt.

Lennart Malmkvist ist geschockt – allerdings auch von der Tatsache, dass Buri Bohmen ihm seinen Scherzartikelladen vermacht hat, mit dem er so gar nichts anzufangen weiß. Außerdem ist an das Erbe die Bedingung geknüpft, dass Lennart den Laden mindestens ein Jahr lang führt. Und schlimmer: Lennart soll Buris Mops Bölthorn übernehmen – eine grauenvolle Vorstellung, ein müffelndes, sabberndes Wesen mit zweifelhaftem Nutzwert in der Wohnung zu haben.

Klar, dass Lennart Malmkvist als potenzieller Aufsteiger in der schwedischen Holding nicht als Ladenhüter enden will. Er will das Erbe ausschlagen und Bölthorn möglichst schnell loswerden.

Doch es kommt alles anders als geplant: Lennart verliert bei der entscheidenden Präsentation plötzlich seine Sprache und er fliegt achtkantig raus. Dies zwingt ihn, doch den Scherzartikelladen zu übernehmen. Wenigstens kann der Laden nach Ablauf der Jahresfrist wegen seines Standortes mit enormen Gewinn veräußert werden.

Aus dem Manager wird ein Magier

Lennart Malmkvist ahnt, dass es bei der zeitweisen Störung seines Sprachzentrums nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Seit Tagen verfolgt ihn nämlich ein unheimlicher Leierkastenmann, dessen Melodie immer dann zu erklingen scheint, wenn mächtiger Ärger droht.

Und dass Mops Bölthorn plötzlich auf Lennart einredet, wirft ihn erst recht aus der Bahn. Der Mops kann sich allerdings nur bei Gewitter zu Wort melden. Bald wird klar, dass Buri Bohmen alles andere als ein Ladeninhaber war, und dass der Scherzartikelladen durch einen magischen Zauber beschützt wird. Denn Buri Bohmen ist Wächter eines uralten Geheimnisses gewesen.

Nun geht Lennart Malmkvist langsam auf, dass er kein Scherzartikelgeschäft geerbt hat, sondern eine ungeheure Verantwortung. Und der wird er nicht gerecht, wenn er nicht selbst die magischen Künste erlernt. Wie gut, dass Bölthorn ihm mit Rat und Tat zur Seite steht – wenn es gewittert. Lennart Malmkvists erste Aufgabe: Einen Weg zu finden, Bölthorn auch ohne natürliches Gewitter sprechen zu lassen. Und bloß mit niemanden darüber reden, um nicht gleich selbst eingewiesen zu werden.

Lars Simon macht einfach Spaß

Fazit: Ganz klar – „Lennart Malmkvist“ ist Lars Simons bester Roman und ein riesiger Spaß für Leser, die auf intelligenten Humor stehen. Insbesondere die Kombination von Lennart als den Zauberlehrling wider Willen, seinen Sidekick Bölthorn, den skurrilen Charakteren wie dem geheimnisvollen Advokaten Isaksson oder der benachbarten italienischen Übermutter Maria ergänzt sich prächtig. Damit schafft sich Lars Simon ein Spielfeld, auf dem er herrlich komische Situationen gepaart mit witzigen Dialogen aufbaut. Da Simon es sogar noch gelingt, eine Kriminalgeschichte in diese irre Schnitzeljagd einzubauen, fehlt es nie an Spannung. Genremäßig lässt sich „Lennart Malmkvist“ als humorvolle Urban Fantasy im Stil von Neil Gaimans „Niemalsland“ oder auch „Ein gutes Omen“ mit Terry Pratchett einordnen. Und das beste: Wir werden Lennart Malmkvist wiedersehen, denn Lars Simon plant bereits eine ganze Serie mit dem Zauberlehrling.

„Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen“ ist bei dtv erschienen (432 Seiten, 9,99 € Taschenbuch, 7,99 € E-Book).

Hinterlassen Sie eine Antwort!