Peter Wohlleben: „Das Seelenleben der Tiere“

Nach „Das geheime Leben der Bäume“ legt Forstfachmann Wohlleben seinen nächsten Naturthriller vor. Es geht um Mord und Totschlag.

Mit „Das geheime Leben der Bäume“ lag Forstfachmann Peter Wohlleben wochenlang in den Sachbuchcharts „unangenehm“ weit vor „Panikherz“, wie Verfasser Benjamin Stuckrad-Barre augenzwinkernd in einer Talkshow anmerkte. Auch „Das Seelenleben der Tiere“ dürfte wieder viele Freunde finden. Wohlleben stellt die Frage, ob Tiere bei Schmerzen oder Todesgefahr eine andere Gefühlsregung haben als wir und ob es zur Bewertung dieser eine Rolle spielt, ob sie emotional oder kognitiv ausgelöst wurden.
Er diskutiert zudem das „Wertesystem“ von Tieren: So würden die für uns Menschen so niedlichen Eichhörnchen oder von Baummardern im Schlaf überrascht oder von Habichten in einer wahren Todesspirale den Baumstamm hoch- und hinuntergejagt. Andererseits sei die Lieblingsspeise von Eichhörnchen Vogelkinder, und die würden vollkommen emotionslos verspeist, weil Eichhörnchen wie jedes andere Tier ausschließlich an der eigenen Arterhaltung interessiert sind.

Peter Wohlleben hat Einiges an Überraschungen auf Lager, was die Annäherung der Flora an die Fauna im deutschen Forst betrifft. So berichtet er von einem Schleimpilz, der Haferflocken frisst. Dieser Schleimpilz ist in der Lage, durch ein Labyrinth den Weg zu den Haferflocken zu finden. Weitere Beispiele finden sich bei der Intelligenz von Raben. Diese wissen nicht nur, dass sie Beute unbeobachtet verstecken müssen. Sie erkennen sich selbst auch im Spiegelbild. So erkennen sie einen Klebepunkt auf dem Gefieder sofort als Fremdkörper und versuchen, ihn zu entfernen. Tauben können andererseits 725 Darstellungen unterscheiden, Schweinen kann man antrainieren, auf einen dreisilbigen Namen zu hören.

Fazit: Der Reiz von „Das Seelenleben der Tiere“ besteht nicht in den bahnbrechend neuen Erkenntnissen, sondern in der erzählerisch spannenden und fundiert wirkenden Darstellung. Peter Wohlleben vermenschlicht nicht unnötig, und das tut dem Buch gut. Unterhaltsame, gut recherchierte Sachbuch-Lektüre!

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